Hauswert ermitteln = Datenklau

(digitaldaily) Wer unter dem Stichwort „Hauswert ermitteln“ sucht findet viele Dutzend Portale, die „kostenlos“ anbieten, den Wert der eigenen Immobilie zu ermitteln. Die Portale überschlagen sich mit rekordverdächtiger Geschwindigkeit („in weniger als zwei Minuten!“) und „ermittelt mit künstlicher Intelligenz“. Dabei ist es für jemanden, der eine Immobilie verkaufen möchte relativ egal, ob sich ein möglicher Verkaufspreis in 2 Minuten oder zwei Stunden ermitteln lässt – Hauptsache, die Preisprognose ist möglichst realitätsnah. Doch genau darum geht es den Hausbewertungs-Portale nicht.

Wir haben die Probe gemacht mit einer Eigentumswohung in bester Lage in Berlin-Charlottenburg: 3 Zimmer, top renoviert, mit Balkon und 76qm Wohnfläche. Die Bandbreite dessen, was von den ausgesuchten 20 Bewertungsportalen zurückkam, ist abenteuerlich:

  • 12 Portale ermittelten einen Verkaufspreis von rund 460-490.000 Euro – selbst aktuell viel zu hoch
  • 3 Portal schlugen sogar mehr als 500.000 Euro Verkaufspreis vor
  • 5 Portale lagen mit einer Prognose von rund 400-410.000 Euro im realistischen Bereich

Um eine möglichst präzise Einschätzung des erzielbaren Verkaufspreises zu bekommen wollten wir wissen, zu welchem Preis in den vergangenen Jahren Wohnungen verkauft und vermietet worden sind. Das Problem: solche präzisen und belastbaren Angaben gibt es weder in 2 Minuten noch umsonst. Wir haben Immobilienberater bei Banken und Sparkassen gefragt, welches Werkzeug sie bei der Wertermittlung nutzen, wenn es um Kreditfinanzierungen geht. Nicht alle, aber viele arbeiten mit einem Immobiliendatenspezialisten aus Leipzig (Realestatepilot) , weil dieser tagesaktuell rund 90 Prozent aller Angebote auf dem Onlinemarkt auswertet und dies offenkundig seit Jahren.

Es gibt andere Immobiliendaten-Anbieter, die aber alle entweder Monatsweise oder sogar nur Quartalsweise aktuelle Marktübersichten erstellen. Der Leipziger Anbieter lag als einziger mit 390.000 Euro unter der 400k-Marke – aber dies erscheint auch am realistischsten. Nach Analysen kann es bis zu zehn Wochen länger dauern, wenn eine Immobilie deutlich zu teuer angeboten wird und dann im Nachgang im Preis reduziert wird.

Warum sprechen wir von Betrug bei Hauswert-Portalen? Wer sich die Mühe macht die kryptischen „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ dieser Portale durchzulesen ahnt bereits was auf ihn zukommt: Es geht nur darum, Daten von eventuell verkaufswilligen Immobilienverkäufern einzusammeln und zu verkaufen – um sonst nichts. Für eine einzige Adresse eines potentiell verkaufswilligen Immobilienbesitzers werden auf dem Graumarkt der Adress-Verkäufer bis zu 250 Euro bezahlt, manchmal sogar mehr, denn:

Dankenswerter Weise hat der, der sich nach seinem Immobilienwert erkundigen wollte, äußerst präzise Angaben zu seinem Objekt gemacht und damit einem Makler viel Arbeit erspart. Rechnen Sie also damit das Sie von einer Mail-Lawine erschlagen werden, wenn Sie dieses „kostenlose“ Angebot nutzen:

+ Von 14 Portalen bekamen wir mehr als 40 Verkaufsanfragen – auch von Privatpersonen

+ Von 5 Portalen bekamen wir bis zu 20 Verkaufsanfragen

+ Nur von einem Portal bekamen wir eine einzige Angebotsmail mit der Nachfrage, ob weitere zugeschickt werden dürfen

Das Angebot, den Hauswert in Minuten zu ermitteln ist also weder sehr präzise noch „kostenlos“ – bezahlt wird mit der Herausgabe detaillierter Angaben zum Privateigentum.