Das Fairphone – die Alternative zum doppelt so teuren Iphone 14?

(digitaldaily). Es ist nicht nur der Preis, der das immer erfolgreichere Fairphone aus den Niederlanden von all den Iphones unterscheidet: Es ist vor allem langlebiger, denn wichtige Komponenten können von jedem Laien ausgetauscht werden. Ist ein besseres Kameramodul zu Ende entwickelt, kann das alte einfach ersetzt werden. Rund 580 Euro kostet das Fairphone, dass auf lange Kundenbeziehungen mit einem Gerät setzt und nicht versucht, alle zwei Jahre ein neues mobiles Gerät mit aller Macht in den Markt zu drücken. Auch wenn dies für Apple deutlich lukrativer ist.

Das Fairphone wird in Europa gebaut und ist jahrelang aktuell

Smartphones: Der hohe Verdienst der Hersteller kommt durch den ständigen Modellwechsel

Die meisten viele Smartphones sind so konzipiert, dass sie alle zwei oder drei Jahre ausgetauscht werden müssen. Und Apple, Samsung und andere Hersteller von Mobiltelefonen stellen jedes Jahr neue Modelle vor – zusammen mit großen Marketingkampagnen – und ermutigen die Kunden so zu einem Upgrade. Wenn ein Smartphone so konstruiert wäre, dass es ein Jahrzehnt lang hält, wäre es so gebaut, dass wir es einfach öffnen können, um ein Teil wie einen leeren Akku oder einen gesprungenen Bildschirm zu ersetzen. Viele der Komponenten könnten aufgerüstet werden – wenn man eine bessere Kamera haben möchte, kann man die alte einfach gegen eine neuere, leistungsfähigere austauschen. Man könnte auch wie bei einem Tesla unbegrenzt Software-Updates vom Hersteller des Telefons herunterladen.

Das Iphone 14 kann kaum etwas besser als der Vorgänger – und bringt trotzdem Milliardenumsätze

Die Technologieunternehmen werden uns in den nächsten Wochen mit neuen Modellen überhäufen, weil die Herbst- und Winterverkaufszeit wieder beginnt, die für sie wichtigste Zeit des Jahres. Apple hat bereits das iPhone 14 vorgestellt, das seinem Vorgänger verblüffend ähnlich sieht. Ebenfalls in dieser Woche kündigte Google an, im Oktober neue Android-Handys vorzustellen. Und letzten Monat stellte Samsung eine Reihe von Handys vor, die sich wie Bücher zusammenklappen lassen. All diesen Smartphones ist eines gemeinsam: Die Technik soll preiswerte Reparaturen und den Austausch von Komponenten verhindern. Diese neuesten Produkte unterstreichen, dass die heutigen Smartphones nicht für Langlebigkeit gemacht sind. Die meisten Geräte sind fest mit Klebstoff versiegelt. Teile wie Kameras und Bildschirme können nicht à la carte aufgerüstet werden. Software-Updates sind nur für einen begrenzten Zeitraum garantiert, in der Regel zwei Jahre für Androiden und etwa fünf Jahre für iPhones. Dass wir unsere Smartphones in so kurzen Zyklen wechseln sollen oder müssen, ist gut für die Technologieunternehmen und ihre Kassen – aber nicht für uns, unsere Geldbörse und die Umwelt. .

Ex-Apple -Manager: Smartphones wie das Iphone sollen schnell veraltern

Don Norman, der ehemaliger Vizepräsident für Technologie bei Apple und Autor von fast zwei Dutzend Büchern über Design, sagt in einem Interview mit der New York Times, das Smartphone-Hersteller Verbrauchertechnologie wie Mode behandeln, indem sie jedes Jahr Produkte auf den Markt bringen, die immer schwieriger zu reparieren sind, und Funktionen hinzufügen, die die Veralterung beschleunigen. „Man möchte am liebsten den Computer aus einem einzigen Stück Metall fertigen und so dünn wie möglich machen“, so Norman. „Man musste also die Batterie ohne Gehäuse bauen, damit sie wirklich schwer zugänglich ist. Man verwendet absichtlich Kleber statt Schrauben“. Wenn Schrauben vorhanden sind dann welche, die mit normalen Werkzeugen nicht zu öffnen sind, Apple hat sogar eine eigene Unit, die solche Schrauben entwickelt. Natürlich ließen sich auch ganz normale Mini-Schrauben verwenden, aber dies ist nicht erwünscht.

Iphone: Mit normalen Werkzeugen lässt sich nichts reparieren

Fairphone: Natürlich können Smartphones langlebig und nachhaltig sein

Doch die Idee eines Telefons mit längerer Lebensdauer muss kein Hirngespinst sein. Es gibt bereits eines: das 580 Dollar teure Fairphone 4 des Amsterdamer Start-up-Unternehmens Fairphone. Das Fairphone 4, das nur in Europa verkauft wird, hat eine Kunststoffabdeckung, die sich leicht abnehmen lässt, um das Innenleben freizulegen. Die Komponenten können in wenigen Minuten ausgetauscht werden, indem ein paar einfache Schrauben entfernt werden.

Die Idee hinter dem Fairphone ist, dass man ein Telefon mit neuer Technologie bekommen kann, ohne sein aktuelles Gerät komplett ersetzen zu müssen – und wenn etwas mit dem Telefon schief geht, z. B. wenn es herunterfällt, kann es leicht repariert werden. Damit ist das Fairphone das Gegenteil der meisten heutigen Smartphones und zeigt, wie Technologieunternehmen die Geräte anders gestalten können, nämlich im Hinblick auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Das Fairphone wird mit einem kleinen Schraubenzieher geliefert, der dazu einlädt, das Telefon zu öffnen.

Ein Smartphone das man selbst reparieren kann?

Das Fairphone auseinander zu nehmen ist ein Kinderspiel. Nach dem Entfernen der Kunststoffabdeckung kamen die Kamera, der Akku, die Lautsprecher und andere Komponenten zum Vorschein. Sie waren mit gewöhnlichen Schrauben befestigt, die sich mit dem Schraubenzieher schnell herausdrehen ließen. In weniger als fünf Minuten sind  alle diese Teile entfernt. In etwa der gleichen Zeit kann das Telefon wieder zusammengebaut werden.Im Falle einer Reparatur oder einer grundlegenden Wartung, wie z. B. dem Austausch einer neuen Kamera oder eines neuen Akkus, kann dies in wenigen Minuten und für wenig Geld gemacht werden (Fairphone verlangt 30 Dollar für einen neuen Akku und 80 Dollar für eine neue Kamera).

Wer ein Apple-Telefon zerlegt, muss dagegen die proprietären Schrauben mit einem speziellen Schraubenzieher entfernen und den Kleber, der das Gehäuse zusammenhält, schmelzen. Um den Akku zu entfernen, musste mit einer Pinzette an den winzigen Klebestreifen unter dem Akku gerissen werden. So kann zwar ein Batterieaustausch auch gelingen, aber dabei geht Laien oft der Bildschirm des iPhones kaputt – und ein Ersatzdisplay kostet etwa 300 Dollar.

Das Fairphone ist nachhaltig hat aber auch Nachteile

Die Kunststoffabdeckung des Fairphone ist nicht schön und sie würde wahrscheinlich abplatzen, wenn das Telefon auf eine harte Oberfläche fällt. Aber noch weniger Spaß würde es machen, ein Apple- oder Samsung-Handy mit Glasrückseite fallen zu lassen, es zu zerbrechen und Hunderte von Dollar für die Reparatur (oder den Austausch) auszugeben. Die Benutzung des Fairphone ist eher unauffällig. Es läuft mit Vanilla-Android-Software, d. h. es kann Google-Apps und Software aus dem Play Store laden. Eva Gouwens, die Geschäftsführerin von Fairphone sagte, dass das Unternehmen so lange wie möglich Software-Updates für seine Telefone bereitstellen wird. Diese Updates sind wichtig, um die Hardware vor den neuesten Cyberangriffen und Malware zu schützen und um sicherzustellen, dass das Telefon die neuesten Apps ausführen kann. Ein Fairphone-Modell, das vor sechs Jahren auf den Markt kam, wird beispielsweise immer noch mit Android-Updates versorgt. Die meisten Android-Handys erhalten nach zwei Jahren keine Updates mehr.

Fairphone: Die Kamera ist noch nicht auf dem neuesten Stand

Der Rechenprozessor und die Kamera des Fairphone 4 lassen etwas zu wünschen übrig. In Geschwindigkeitstests, die mit der App Geekbench durchgeführt wurden, war das Fairphone 4 beim Abrufen von E-Mails und dem Aufnehmen von Fotos etwa 35 Prozent langsamer als das 600 Dollar teure Pixel 6 von Google. Die mit dem Fairphone 4 aufgenommenen Bilder waren körniger und weniger attraktiv als die mit iPhones und anderen gängigen Android-Telefonen aufgenommenen Bilder.

Neben dem Verkauf von Telefonen und einfach zu installierenden Teilen experimentiert das Unternehmen mit dem Verkauf von Dienstleistungen, wie z. B. der Unterstützung von Menschen bei der Reparatur ihrer Geräte oder der Wartung ihrer Smartphone-Software, sagte Firmenchefin Gouwens. Das ist eine langsame und stetige Einnahmequelle im Gegensatz zu den schnelleren Modellen, bei dem jedes Jahr neue Telefone verkauft werden.

Das Fairphone kommt für viele Menschen wegen der zur Zeit noch schlechteren Kamera und der geringeren Geschwindigkeit im Vergleich zu den teuren Topgeräten nicht in Frage, macht aber eines ganz klar:  Technologieunternehmen, die über so einen unglaublichen Reichtum wie Apple, Samsung oder Google verfügen, könnten ihre Telefone besser zu reparieren und umwelt- und geldbörsenfreundlicher gestalten. „Und wir als Verbraucher könnten es besser machen, indem wir unsere Einstellung zur Technologie ändern“, so Don Norman, der frühere Apple-Technik-Vorstand. Nicht jeder Marketing-Hype um jede neue Funktion, die mit jedem neuen Telefon eingeführt wird, muss mitgemacht werden.