Inflation könnte zu Verkaufsdruck bei Bitcoin-Anlagen führen

Von der Tankfüllung über die Lebensmittelpreise im Supermarkt hin zur nächsten Flugreise ist alles teurer geworden. Die Inflationsrate lag im März 2022 auf einem Rekordniveau von 7,9 %. In den darauffolgenden Monaten kam es zwar zu einem leichten Abfall, doch ist eine Zahl von 7,5 % im Juli 2022 immer noch sehr bedrohlich – ein weiteres Abflachen wird in naher Zukunft nicht prognostiziert.

Unter der starken Inflation leiden nicht nur die Geringverdiener, auch die Mittelschicht muss deutliche Abstriche machen. Haushaltspläne werden überprüft und notwendige Kürzungen vorgenommen. Dies betrifft vor allem Sparanlagen, die leicht aufgelöst werden können, wie es bei Kryptowährungen der Fall ist.

Erhöhter Verkaufsdruck von Bitcoin-Anlagen

Durch die erhöhten Preise sind viele Bürger der Bundesrepublik nicht mehr in der Lage, Rücklagen zu bilden. Laut Helmut Schleweis, Präsident der Sparkassen, hat sich der Anteil derer, die nicht mehr sparfähig sind, innerhalb des letzten Jahres vervierfacht. Schätzungen zufolge müssen derzeit rund 60 % der deutschen Haushalte ihre gesamten Einkünfte für Lebenshaltungskosten ausgeben, sodass kein Geld für Rücklagen, geschweige denn Investitionen zur Verfügung steht.

Die Folge ist, dass Krypto-Investoren unter dem Druck stehen, ihre Anlagen zu veräußern. Schließlich handelt es sich hierbei um eine Investition, die im Gegensatz zu einem Riester-Sparplan oder Ähnlichem einfach aufzulösen ist.

Es ist anzunehmen, dass dadurch auch die Nutzung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel zurückgeht. Neben der bloßen Investition wurden Bitcoin und Co. in den vergangenen Jahren vermehrt dazu benutzt, um online Transaktionen zu begleichen. Viele große Unternehmen wie Microsoft, Lieferando, Tesla oder Expedia akzeptieren die digitalen Münzen bereits. Besonders verbreitet sind Kryptowährungen außerdem in der iGaming-Branche. Die Anonymität von Kryptowährungen gepaart mit einer schnellen Bearbeitungszeit hat dafür gesorgt, dass es mittlerweile zahlreiche Krypto Casinos gibt, die sich auf dem Markt etabliert haben. Transaktionen verlaufen dabei reibungslos und sind im Handumdrehen abgewickelt.

Zuspitzung wird zum Jahresende erwartet

Bereits jetzt ist zu beobachten, dass immer mehr Bürger ihre Girokonten überziehen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Genau dies sind Gründe dafür, warum sich einige Investoren bereits von Kryptowährungen trennen, die sie im Laufe der letzten Jahre angelegt haben. Es wird vermutet, dass der Höhepunkt noch nicht eingetroffen ist. Tatsächlich hat die Bundesbank angegeben, dass sie zum Ende des Jahres eine noch höhere Inflationsrate bis in den zweistelligen Bereich erwartet. Die Deutschen sehen dies ähnlich, knapp 70 % der Bevölkerung rechnen mit einem weiteren Anstieg der Preise. Hinzu kommt, dass zur Jahreswende zusätzliche Kosten auf die Bürger zukommen. Wenn Gasrechnungen ausgestellt und Versicherungsbeiträge beglichen werden müssen, wird dies neue Herausforderungen mit sich bringen. Wer bis dahin noch Krypto-Anlagen zur Hand hat, könnte sich gezwungen sehen, diese zu verkaufen. Einige digitale Münzen loszuwerden ist schließlich wesentlich einfacher bzw. mit weniger Aufwand verbunden, als einen Sparvertrag zu kündigen oder eine Umschuldung einer erworbenen Immobilie vorzunehmen.

Deutschland steht nicht allein da

Nicht nur Deutschland ist von der Inflation betroffen. Auch weitere europäische Länder und die USA müssen sich mit den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen arrangieren. Ähnlich wie im Artikel geschildert, sind es vor allem die Geringverdiener und Teile der Mittelschicht, die die Auswirkungen besonders intensiv spüren und keine oder kaum Möglichkeiten haben, Rücklagen zu bilden. Ganz im Gegenteil müssen solche gegebenenfalls sogar genutzt werden, um die aktuelle Zeit zu bewältigen. Der Verkaufsdruck von Bitcoin und anderen Kryptowährungen steigt also nicht nur hierzulande, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Berücksichtigt man diesen Umstand, kann gesagt werden, dass Bitcoin einen recht stabilen Kurs aufweist. Zu bedenken ist schließlich auch, dass es viele Großanleger und Investoren der Oberschicht gibt, denen die Inflation nicht sonderlich zusetzt. Diese werden ihre Krypto-Anlagen also wohl kaum verkaufen, auch wenn die Inflation noch einige weitere Prozentpunkte ansteigt.

Ulrike Dietz