Geismar: Schockanruf nutzt Traueranzeige – Gold im Wert von mehreren tausend Euro erbeutet

Polizeihauptkommissar Marko Otte, Beauftragter für Kriminalprävention der PI Göttingen. Quelle: Polizei Göttingen

In Göttingen-Geismar ist eine Seniorin am Mittwochnachmittag Opfer eines sogenannten Schockanrufs geworden. Der Anrufer gab sich als Rechtsanwalt aus Hannover aus und behauptete, der Sohn der Frau habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine Radfahrerin getötet worden sei. Um eine unmittelbar drohende Untersuchungshaft abzuwenden, müsse eine hohe Geldsumme als Kaution gezahlt werden. Später erklärte sich der Mann damit ein, dass Goldbarren und Goldmünzen abgeholt würden, und kündigte an, eine Frau zur Abholung zu schicken.

Zwischen 16.45 Uhr und 17.15 Uhr erschien eine bislang unbekannte Frau an der Wohnanschrift und nahm die Wertgegenstände entgegen. Erst später erkannte die Seniorin den Betrug, informierte Angehörige und rief die Polizei.

Die Abholerin wird beschrieben: weiblich, etwa 40 bis 50 Jahre alt, auffallend klein, normale Statur, Brille, Baskenmütze, Mantel und Hose, flache Umhängetasche, sprach Hochdeutsch, mitteleuropäisches Erscheinungsbild.

Die Seniorin geht davon aus, dass die Täter persönliche Informationen aus einer Traueranzeige ihres kürzlich verstorbenen Ehemannes genutzt haben, da der Anrufer den Namen ihres Sohnes kannte, ohne zuvor danach zu fragen.

Die Polizei Göttingen bittet Zeuginnen und Zeugen, die am Mittwochnachmittag im Bereich des Hainholzwegs verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben oder Hinweise zur beschriebenen Frau geben können, sich zu melden.

Präventionshinweise der Polizei: Trotz regelmäßiger Warnungen fallen ältere Menschen immer wieder auf sogenannte Schockanrufe herein. Die Täter gehen dabei zunehmend gezielt und vorbereitet vor. Sie nutzen öffentlich zugängliche Informationen, etwa aus Traueranzeigen, um Vertrauen zu erzeugen und glaubwürdige Geschichten zu erzählen. Emotionale Ausnahmesituationen – insbesondere Phasen der Trauer – werden dabei bewusst ausgenutzt.

Die Polizei erneuert daher ihren dringenden Appell: Rufen Sie bei solchen Anrufen immer zuerst Ihre Kinder oder Enkelkinder selbst an oder wenden Sie sich direkt an Ihre zuständige Polizeidienststelle, um zu überprüfen, ob es einen solchen Vorfall überhaupt gegeben hat. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Und ganz wichtig: In der deutschen Strafprozessordnung gibt es keine Kaution.

Um dieser Betrugsmasche entgegenzuwirken, bietet die Polizeiinspektion Göttingen seit Juli 2022 einen besonderen Präventionsservice für Seniorinnen und Senioren an. Neben Telefonverzeichnissen nutzen Täter zunehmend auch Zeitungsanzeigen und Online-Veröffentlichungen, um gezielt Informationen über Familienverhältnisse, Namen und persönliche Situationen zu erlangen. Das Präventionsteam der PI Göttingen unterstützt daher mit einem Änderungs- oder Löschungsantrag für Telefonbucheinträge. Ziel ist es, potenzielle Angriffspunkte für Täter zu reduzieren – etwa durch die Abkürzung von Vornamen oder die vollständige Löschung des Eintrags aus öffentlichen Verzeichnissen. Die entsprechenden Anträge werden im Rahmen von Präventionsaktionen, Vorträgen und Infoständen angeboten und können dort direkt ausgefüllt werden. Zudem liegen sie auf allen Polizeidienststellen aus und stehen auf der Internetseite der Polizeiinspektion Göttingen unter https://fcld.ly/telefonbucheintrag zum Download bereit. Ausgefüllte Anträge können unmittelbar bei der Polizei abgegeben oder selbstständig an die DTM Deutsche Telemedien gesendet werden. Das Unternehmen ist für die Einträge in „Das Telefonbuch“, „Das Örtliche“ und den „Gelben Seiten“ zuständig und unterstützt das Präventionskonzept der Polizeiinspektion Göttingen ausdrücklich.