Am Donnerstag, 8. Januar 2026, kam es im Bereich der Kasseler Straße und Ingelheimbach im Uschlag zu einem schweren Raubdelikt zum Nachteil einer 67-jährigen Frau.
Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen kehrte die Frau nach einem Spaziergang zu ihrem am Feldweg geparkten Pkw zurück. Zwei junge Männer sprachen sie an und forderten sie unter Druck auf, ihr Mobiltelefon und den Fahrzeugschlüssel auszuhändigen. Als die Frau der Forderung nicht nachkam, kam es zu einem körperlichen Gerangel. In dessen Verlauf hielten einer der Täter ein Messer, der andere eine Schusswaffe vor, um ihre Forderungen zu untermauern. Trotz der Bedrohung wehrte sich das Opfer weiter, woraufhin eine Schussabgabe erfolgte. In der anschließenden Auseinandersetzung stürzte die Frau zu Boden und schlug mit dem Kopf auf einen Stein. Während sie am Boden lag, durchsuchten die Täter ihre Jacke, entwendeten den Autoschlüssel sowie das Mobiltelefon und flüchteten anschließend mit dem Pkw der Frau vom Tatort in Richtung Dahlheim.
Die verletzte Frau schrie nach der Tat laut um Hilfe und begab sich zunächst zu einem nahegelegenen Wohnhaus, an dem sie klingelte. Da dort niemand öffnete, sprach sie wenig später einen Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite an und bat ihn um Unterstützung. Dieser verständigte umgehend den Rettungsdienst.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat wurden umfangreiche Fahndungsmaßnahmen durch Beamte des Polizeikommissariats Hann. Münden eingeleitet. Bereits kurze Zeit später konnte das Fluchtfahrzeug im Bereich Nienhagen festgestellt werden. Die Insassen ignorierten jedoch polizeiliche Anhaltesignale und setzten ihre Flucht fort. Es entwickelte sich eine Verfolgungsfahrt, bei der der flüchtende Pkw trotz winterlicher Straßenverhältnisse mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit geführt wurde. Während der Fahrt kam es aus dem Fahrzeug heraus zu mehreren Schussabgaben in Richtung des verfolgenden zivilen Funkstreifenwagens. Erst im Nachgang stellte sich heraus, dass es sich bei der dabei eingesetzten Waffe um eine Schreckschusswaffe handelte.
Nach bisherigem Kenntnisstand kam es trotz der riskanten Fahrweise des flüchtenden Pkw während der Verfolgungsfahrt zu keiner konkreten Gefährdung unbeteiligter Verkehrsteilnehmerinnen oder Verkehrsteilnehmer. Die Flucht führte über mehrere Straßen und schließlich auf einen aufgrund der Witterung gesperrten Wald- und Verbindungsweg. Wenig später fuhr sich das Fluchtfahrzeug im Schnee und Matsch fest und kam zum Stillstand. Der Fahrzeugführer verließ daraufhin den Pkw und ließ sich widerstandslos von den eingesetzten Polizeibeamten festnehmen. Der Beifahrer flüchtete zunächst zu Fuß in ein angrenzendes Waldgebiet und blieb trotz mehrfacher polizeilicher Aufforderungen nicht stehen. Erst nachdem ein Polizeibeamter zur Abgabe eines Warnschusses gezwungen war, gab der Flüchtige auf und konnte ebenfalls vorläufig festgenommen werden. Zu einer Gefährdung Unbeteiligter kam es dabei nicht.
Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um zwei Männer im Alter von 19 und 22 Jahren aus dem Altkreis Hann. Münden. Im Zuge der weiteren polizeilichen Maßnahmen wurden sowohl das beim Raub verwendete Messer als auch die eingesetzte Schreckschusswaffe aufgefunden und beschlagnahmt. Beide Männer wurden nach Abschluss der ersten polizeilichen Maßnahmen dem Zentralgewahrsam in Göttingen zugeführt. Das Opfer erlitt eine Kopfverletzung und stand unter erheblichem Schock. Es wurde zur weiteren medizinischen Versorgung in ein Krankenhaus nach Hann. Münden gebracht. Die eingesetzten Polizeibeamten blieben unverletzt. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat sowie zum genauen Tatablauf dauern an.
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Göttingen wurden die beiden Tatverdächtigen am Freitag, 9. Januar 2026, dem Haftrichter beim Amtsgericht Hann. Münden vorgeführt. Gegen den 22-Jährigen wurde Untersuchungshaft wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr angeordnet. Der 19-Jährige wurde in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Der Zentrale Kriminaldienst in Göttingen hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet bislang unbekannte Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, die durch die Fahrmanöver des flüchtenden Pkw möglicherweise behindert oder gar gefährdet wurden, sich bei der Polizei Göttingen unter der Telefonnummer 0551/491-2115 zu melden. Die weiteren Ermittlungen dauern an.