Im anhaltenden Arbeitskampf zwischen der Deutschen Lufthansa und den Spartengewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern zeichnen sich keine schnellen Lösungen ab. Konzernchef Carsten Spohr kündigte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe) an, dass das Unternehmen vor den Streiks nicht einknicken werde.
„Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke“, erklärte Spohr der Zeitung. Der Umbau des Unternehmens zu einer zukunftsfähigen internationalen Gruppe sei zur Zukunftssicherung unumgänglich.
Die Streiks belasten das Unternehmen schwer: Vergangenen Freitag fielen wegen eines Warnstreiks der Flugbegleitergewerkschaft UFO bei der Kernmarke sowie der Tochtergesellschaft Cityline hunderte Flüge aus, mitten während des Rückreiseverkehrs zum Ende der Osterferien. An diesem Montag und Dienstag legten viele Piloten nach einem Aufruf der Pilotengewerkschaft VC die Arbeit nieder, weshalb nur rund jeder dritte Kurzstreckenflug und jeder zweite Langstreckenflug planmäßig stattfindet.
Allein am ersten Streiktag wurden mehr als 700 Flüge gestrichen. „Wir beobachten das Geschehen sehr genau und tracken, welche Flugzeuge am Boden bleiben. Bis jetzt verläuft der Streik wie erwartet“, sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro. Der Streik betrifft Lufthansa, Lufthansa Cargo, CityLine und Eurowings.
Die Spartengewerkschaften stehen in Konkurrenz mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, mit der die Lufthansa erst am Freitag einen Tarifvertrag für die neue Tochtergesellschaft City Airlines geschlossen hat. Spohr pocht auf die Notwendigkeit, die Kosten der Kernmarke in den Griff zu bekommen und konkurrenzfähig zu werden.
„Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Spartengewerkschaftsfunktionäre von der Vereinigung Cockpit und UFO in einem Dilemma stecken: Keine der von ihnen tarifierten Airlines nimmt am erfreulichen Wachstum unserer Lufthansa Group mit ihren insgesamt 14 Airlines überhaupt noch teil“, kritisierte Spohr. Die Ursachen dafür lägen in „oft jahrzehntelangen komplexen Tarifstrukturen – teilweise aus unserer Zeit als Staatsairline“.
Der seit 2014 an der Spitze von Europas größter Fluggesellschaft stehende Manager wies den Vorwurf zurück, die Gewerkschaften gegeneinander auszuspielen. Er lud alle Arbeitnehmerorganisationen ein, Wachstumsperspektiven in allen Flugbetrieben zu schaffen. „Letztlich entscheidet jeweils die Mehrheit der Mitarbeiter, von wem sie ihre Interessen am besten vertreten sieht. Und sie entscheiden in unterschiedlichen Airlines auch unterschiedlich. Die vom Vorstand und Aufsichtsrat beschlossene Strategie unserer Gruppe ist davon allerdings unberührt: Wir operieren Flugzeuge ausschließlich dort, wo sie Wert generieren.“
Die Vereinigung Cockpit kritisierte das Vorgehen der Lufthansa scharf. „Wir haben der Lufthansa immer wieder genug Zeit gegeben, ein ernsthaftes Angebot vorzulegen. Ein Angebot, das an anderer Stelle gegenfinanziert werden soll, ist für uns jedoch nicht tragfähig. So ein Angebot würden Vorstände sicher auch kritisch sehen, wenn es um ihre eigenen Boni geht, die im Übrigen bis zu 100 Prozent erhalten haben – obwohl es der LH Classic, dem größten Teil des Konzerns, mutmaßlich so schlecht geht“, sagte Pinheiro.
Die Gewerkschaft bekräftigte ihre Gesprächsbereitschaft: „Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit. Voraussetzung sind aber verhandlungsfähige Angebote. Das gilt bei Lufthansa und Lufthansa Cargo für die bAV, bei CityLine für den VTV und bei Eurowings ebenfalls für die bAV.“ Die Belastungen für Passagiere sowie für die Kollegen am Boden bedauere man ausdrücklich.
„Wenn wir nicht mehr streiken könnten, um Bewegung auf Arbeitgeberseite zu erreichen, bliebe nur noch kollektives Betteln. Das kann nicht im Sinne einer Gesellschaft sein, die Mitbestimmung durch Arbeitnehmer ausdrücklich will, unabhängig davon, welcher Gewerkschaft sie sich angeschlossen haben“, erklärte Pinheiro. Ein zweiter Streiktag ließe sich vermeiden – die Entscheidung liege vollständig bei der Arbeitgeberseite.
Die Streiks treffen die Lufthansa genau zum Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens. An diesem Mittwoch findet in Frankfurt die große Jubiläumsfeier statt, zu der auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet wird.
Darüber hinaus ruft die VC ihre Mitglieder auf, sich an dem von der Flugbegleitergewerkschaft UFO für kommenden Mittwoch angemeldeten Demonstrationszug am Frankfurter Flughafen zu beteiligen, der um 15:15 Uhr am Kiss & Fly-Parkplatz starten soll. Die Kundgebung findet im Anschluss statt.