Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ist am Montag von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Kanzleramt empfangen worden. Das Programm sieht ein Vier-Augen-Gespräch sowie ein gemeinsames Mittagessen vor, bevor beide Politiker am Nachmittag vor die Presse treten wollen.
Bereits am Vormittag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den syrischen Staatschef empfangen. Anschließend nahm al-Scharaa an einem deutsch-syrischen Wirtschafts-Roundtable teil, den das Auswärtige Amt, das Bundeswirtschaftsministerium und das Entwicklungsministerium gemeinsam organisiert hatten. Bei diesem Treffen sagten die Bundesregierung und deutsche Unternehmen dem syrischen Präsidenten Unterstützung beim Wiederaufbau des kriegsgebeutelten Landes zu. „Wir stehen an der Seite Syriens“, erklärte Außenminister Johann Wadephul (CDU).
Für den Nachmittag ist noch ein Gespräch zwischen al-Scharaa und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vorgesehen. Dabei sollen Themen wie Abschiebungen sowie die freiwillige Rückkehr syrischer Flüchtlinge in ihr Heimatland im Mittelpunkt stehen.
Der Staatsbesuch in der Hauptstadt findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den Besuch abzusichern. Mehrere Demonstrationen sind angemeldet – sowohl von Unterstützern des syrischen Machthabers als auch von dessen Kritikern. Auch in der Nähe des Kanzleramts versammelten sich zahlreiche Menschen mit syrischen Fahnen.
Al-Scharaa ist seit Ende Januar 2025 Interimspräsident von Syrien. Zuvor hatte er als Anführer des syrischen Milizbündnisses Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) den Sturz des Assad-Regimes erreicht. Als HTS-Anführer war er ein gesuchter Terrorist, ihm werden teilweise heftige Kriegsverbrechen vorgeworfen. Seit seinem Amtsantritt gibt er sich jedoch als gemäßigter Anführer, der sich dem Westen annähern will. Die Lage in Syrien bleibt aber weiterhin angespannt.