Das Polizeipräsidium Aalen hat zum Start der Zweiradsaison 2026 eindringlich vor den Gefahren im Straßenverkehr gewarnt. Mit steigenden Temperaturen kehren Motorräder, Pedelecs, Fahrräder und E-Scooter verstärkt in das Straßenbild im Ostalbkreis, Landkreis Schwäbisch Hall und Rems-Murr-Kreis zurück – und damit steigt erfahrungsgemäß auch das Unfallrisiko erheblich.
Die aktuellen Unfallzahlen verdeutlichen das Ausmaß der Gefahr: Im Jahr 2025 registrierte die Polizei im Präsidiumsbereich insgesamt 393 Motorradunfälle. Dabei starben fünf Menschen, 92 wurden schwer und 262 leicht verletzt. Obwohl die Zahl der Motorradunfälle gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zurückging, bleiben die Unfallfolgen häufig gravierend. Als Hauptunfallursache stellten die Ermittler nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit fest – sie machte 29 Prozent aller Hauptunfallursachen bei Motorradunfällen aus.
Bei Pedelec-Unfällen zeigt sich ein ähnlich hohes Niveau: 461 Unfälle verzeichnete das Polizeipräsidium Aalen 2025. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben, 77 erlitten schwere und 343 leichte Verletzungen. Die wesentlichen Unfallursachen waren mangelnde Verkehrstüchtigkeit, überhöhte Geschwindigkeit und Vorfahrtsverstöße.
Besonders dramatisch entwickelt sich der Bereich der Elektrokleinstfahrzeuge, insbesondere E-Scooter. Die Polizei nahm 126 Unfälle mit diesen Fahrzeugen auf – ein Anstieg von über 51 Prozent. 13 Personen wurden schwer, 107 leicht verletzt. Häufigste Unfallursachen waren mangelnde Verkehrstüchtigkeit, Vorfahrtsverstöße sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren.
Motorradfahrer sollten vor der ersten Ausfahrt ihr Fahrzeug technisch überprüfen lassen, insbesondere Reifen, Bremsen, Beleuchtung, Batterie oder Bordelektrik sowie Betriebsstoffe. Ebenso wichtig ist ein persönlicher Selbstcheck: Wer längere Zeit nicht gefahren ist, sollte sich zunächst wieder an Maschine, Beschleunigung, Kurvenverhalten und Bremsweg gewöhnen, defensiv fahren und verschmutzte oder beschädigte Fahrbahnen beachten. Schutzkleidung bleibt unverzichtbar.
Pedelec-Fahrer müssen berücksichtigen, dass Anfahrverhalten, Beschleunigung und Gewicht deutlich von herkömmlichen Fahrrädern abweichen können. Nach längeren Fahrpausen empfiehlt sich ein vorsichtiger Wiedereinstieg abseits dichter Verkehrsräume. Ein Helm wird dringend empfohlen, ebenso Licht, Reflektoren und gut sichtbare Kleidung. Hinzu kommen vorausschauende Fahrweise, ausreichender Abstand und besondere Aufmerksamkeit in Einmündungs-, Kreuzungs- und Abbiegebereichen.
Für E-Scooter-Nutzer gelten klare Regeln: E-Scooter sind Kraftfahrzeuge und dürfen grundsätzlich ab 14 Jahren genutzt werden. Zu fahren ist auf Radwegen, Radfahrstreifen oder Fahrradstraßen – nur wenn diese fehlen, darf die Fahrbahn benutzt werden. Gehwege und Fußgängerzonen sind tabu, soweit nicht ausdrücklich zugelassen. Erlaubt ist nur die Nutzung durch eine Person. Es gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie beim Autofahren: bereits ab 0,5 Promille drohen empfindliche Konsequenzen, unter bestimmten Voraussetzungen schon ab 0,3 Promille. Eine Haftpflichtversicherung ist verpflichtend. Auch ohne Helmpflicht empfiehlt die Polizei dringend das Tragen eines Helms.
Auch Autofahrer müssen sich umstellen: Gerade zu Beginn der warmen Jahreszeit ist verstärkt mit Zweirädern zu rechnen. Besonders wichtig sind Aufmerksamkeit, angepasste Geschwindigkeit, ein zweiter Blick vor dem Abbiegen oder Spurwechsel sowie ausreichender Seitenabstand beim Überholen. Wer Kreuzungen und Einmündungen mit erhöhter Sorgfalt passiert und auf schwächere Verkehrsteilnehmer achtet, trägt wesentlich zur Unfallvermeidung bei.
Das Polizeipräsidium Aalen wird die Verkehrssicherheitsarbeit mit Präventionsangeboten, Informationsmaßnahmen und zielgerichteten Kontrollen fortführen. Im Jahresbericht 2025 verwies das Präsidium auf Präventionsmaßnahmen für Motorrad- und Pedelec-Fahrer sowie gezielte Sonderkontrollen bei Elektrokleinstfahrzeugen. Weitere Informationen gibt es unter https://gib-acht-im-verkehr.de/themen/motorrad.