Mordfall in Holtgast: 59-Jähriger tot aufgefunden – drei Familienmitglieder unter Verdacht

(Symbolbild)

In der ostfriesischen Gemeinde Holtgast haben Polizei und Staatsanwaltschaft die Leiche eines 59-jährigen Mannes aus dem Sauerland gefunden. Gegen drei Familienmitglieder – eine 60-jährige Frau und ihre Söhne im Alter von 34 und 30 Jahren – wird wegen Mordverdachts ermittelt.

Der Fall begann Anfang Februar 2024 mit einer Vermisstenanzeige. Die Tochter und Ehefrau des damals 59-Jährigen erstatteten nahezu zeitgleich Anzeigen in Lüdenscheid, Chemnitz und aus Minsk in Weißrussland. Die Polizei in Lüdenscheid übernahm zunächst die Ermittlungen, da der Vermisste dort seinen Wohnsitz hatte. Aufgrund seines letzten bekannten Aufenthaltsortes im Landkreis Wittmund ging ein Amtshilfeersuchen bei der Polizeistation Esens ein.

Den Ermittlungen zufolge war der Mann am 28./29. Januar von Minsk über Vilnius, Warschau und Hamburg nach Ostfriesland zu einer Familie in Holtgast gereist. Über diese Reiseroute wollte er am 31. Januar über Hamburg zu seiner Familie nach Weißrussland zurückreisen. Mit Unterstützung der Bundespolizei in Hamburg und Behörden in Minsk stellte sich heraus, dass der Vermisste die geplante Rückreise offensichtlich nicht angetreten hatte.

Im Verlauf der Ermittlungen durch die Zentrale Kriminalitätsinspektion Osnabrück und den Kriminal- und Ermittlungsdienst des Polizeikommissariats Wittmund ergaben sich Zweifel an den Darstellungen der mittlerweile beschuldigten Familie aus Holtgast bezüglich des Verbleibs des Vermissten. Der 59-Jährige und die tatverdächtigen Familienangehörigen kannten sich aus früheren Zeiten aus dem Sauerland. Der Vermisste hatte die Familie in familiären Angelegenheiten unterstützt und war der Betreuer des 34-jährigen Sohnes der Familie.

In diesem Betreuungsverhältnis soll es zu einer Veruntreuung von Geldern gekommen sein, was auch zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Vermissten geführt hatte. Der Mann war zur Festnahme ausgeschrieben. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse leitete die Staatsanwaltschaft Aurich ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts gegen die Familie ein. Im September 2025 wurde am Sitz der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund eine Mordkommission eingerichtet.

Nach monatelangen Ermittlungen verdichtete sich der Tatverdacht gegen die Familienangehörigen aus Holtgast. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aurich erließ der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Aurich einen Durchsuchungsbeschluss für vier Grundstücke in der Gemeinde Holtgast. In der vergangenen Woche führten die Ermittler intensive, mehrtägige Durchsuchungsmaßnahmen durch.

Die örtliche Polizei erhielt dabei Unterstützung von einem Team der niederländischen Polizei, das auf Bodenuntersuchungen spezialisiert ist. Bei der Absuche der Grundstücke kamen auch Leichenspürhunde der Polizei und eine Technische Einheit der Bereitschaftspolizei zum Einsatz. Auf einem Grundstück in Fulkum stellten die Spezialisten der niederländischen Polizei am Mittwoch eine Auffälligkeit im Erdreich fest.

Die Technische Einsatzeinheit nahm daraufhin erste Grabungen vor. Die Leichenspürhunde schlugen an und die Grabungen wurden fortgesetzt, was zum Auffinden eines männlichen Leichnams führte. Die Bergung des Leichnams war sehr aufwendig und dauerte bis in die Nacht. Das Technische Hilfswerk unterstützte die Einsatzkräfte bei der Ausleuchtung des Einsatzortes. Auch die Rechtsmedizin erschien vor Ort, um den Fundort zu begutachten. Logistische Unterstützung erhielt die Polizei vom Bauhof der Samtgemeinde Esens und der Feuerwehr.

Der Leichnam wurde über die Ostertage in der Rechtsmedizin Oldenburg untersucht und konnte als der vermisste 59-Jährige aus dem Sauerland identifiziert werden. Die Angehörigen des Vermissten wurden über die Ostertage entsprechend informiert und erlangten so traurige Gewissheit. Das Obduktionsergebnis ergab, dass der 59-Jährige durch massive Gewalteinwirkung zu Tode kam.

Im Rahmen der weiteren Durchsuchungs- und Ermittlungsmaßnahmen in den Objekten in der Gemeinde Holtgast stellten die Ermittler diverse Spurenträger und Gegenstände sicher, die nun ausgewertet werden. Aufgrund des Leichenfundes wurden die drei Beschuldigten vorläufig festgenommen. Der 34-Jährige und die 60-Jährige wurden am Donnerstagabend wieder entlassen.

Der 30-Jährige wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aurich am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt. Es erging ein Untersuchungshaftbefehl durch den Zentralen Richterlichen Bereitschaftsdienst wegen Verdachts des Mordes zum Nachteil des 59-jährigen Mannes. Der Beschuldigte wurde daraufhin in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.