Mit dem Beginn des Frühlings steigt die Zahl der Motorradfahrer auf den Straßen in den Landkreisen Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen deutlich an. Die örtliche Polizei mahnt zu erhöhter Vorsicht und passt ihre Verkehrssicherheitsarbeit für die Motorradsaison 2026 an. Zu Saisonbeginn ereignen sich regelmäßig schwere Verkehrsunfälle, da Motorradfahrer zur Hochrisikogruppe im Straßenverkehr gehören.
Die Statistiken sind alarmierend: Das Unfallrisiko mit dem Motorrad zu verunglücken ist rund sechsmal höher als mit dem Auto. Das Risiko, tödlich zu verunglücken, liegt sogar bis zu 20 Mal höher. Mindestens jeder fünfte Verkehrstote in Deutschland ist ein Motorradfahrer. Im Jahr 2024 verloren 513 Motorradfahrer auf deutschen Straßen ihr Leben.
„Motorräder haben ein extremes Leistungs-Gewichts-Verhältnis. Die Beschleunigungsmöglichkeiten machen Spaß, jedoch erreicht man schnell zu hohe Geschwindigkeiten. Für viele ist es herausfordernd, den Geschwindigkeitsrausch zu unterdrücken. Selbstverständlich ist aber, dass öffentliche Straßen keine Rennstrecken sind. Die meisten Unfälle könnten durch regelkonformes Fahren, insbesondere durch angepasste Geschwindigkeit und ausreichende Abstände, vermieden werden“, erklärt Polizeihauptkommissar Martin Schwanitz, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen.
Schwanitz weist auf weitere bedenkliche Trends hin: „Motorradunfälle sind meist Schönwetterunfälle. Das Unfallgeschehen im Motorradverkehr wird überwiegend von Männern bestimmt. Bei den gefährlichen Unfällen auf Landstraßen tragen zu 70 Prozent Motorradfahrer die Hauptschuld.“
Für einen sicheren Saisonstart gibt die Polizei konkrete Empfehlungen: Vor der ersten Ausfahrt sollten Motorrad und Fahrer gleichermaßen vorbereitet werden. Die Maschine muss gründlich auf Verkehrssicherheit überprüft werden – inklusive Reifen, Bremsen, Beleuchtung und Ölstand. Nach längerer Fahrpause sei ein behutsamer Einstieg entscheidend, um sich wieder an das Fahrverhalten und die Reaktionsweise des Motorrads zu gewöhnen.
Die Verkehrswacht bietet in der Region Lüneburg 2026 neue Motorradtrainings an. Termine und Informationen finden sich unter https://www.landesverkehrswacht.de/verkehrswacht-lueneburg-ev/motorradtrainings-in-lueneburg/. Ergänzt wird die Kursreihe durch einen exklusiven Termin für Motorradfahrerinnen, bei dem neben der Fahrtechnik der Austausch innerhalb der weiblichen Biker-Community im Mittelpunkt steht.
Bei Neu- oder Gebrauchtkauf empfiehlt die Polizei, Assistenzsysteme als wichtiges Auswahlkriterium zu berücksichtigen. Systeme wie kurventaugliches ABS, Stoppie- oder Wheelie-Kontrolle, Notrufsysteme oder Abstandsradar bieten zusätzliche Sicherheit.
Besondere Aufmerksamkeit richtet die Polizei auf bekannte Problemstrecken wie die B195 im Amt Neuhaus, die Spitzkehre in Alt Garge oder die K53 zwischen Lüneburg und Echem. Dort kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit schweren Unfällen als Folge – oft verursacht durch zu hohe Geschwindigkeit, Posing oder riskantes Fahrverhalten. „Nutzen Sie für sportliches Fahren abgesperrte Rennstrecken – öffentliche Straßen sind kein Ort für Grenzerfahrungen oder Schräglagentests“, appelliert Schwanitz.
„Motorradfahrer werden im Straßenverkehr leicht übersehen. Neben Abblendlicht kann eine zusätzliche Warnweste die Sichtbarkeit deutlich erhöhen“, rät der Verkehrssicherheitsberater. Motorradkleidung diene nicht dem modischen Auftritt, sondern dem Schutz und könne bei Unfällen Verletzungen mindern oder Leben retten.
Die Polizei gibt weitere Sicherheitshinweise: Motorradfahrer sollen vollständige Schutzkleidung tragen, mit Licht fahren, reflektierende oder auffällige Kleidung nutzen, ihr Fahrzeug regelmäßig kontrollieren, Sicherheitsabstände einhalten und ihre Fahrweise dem Straßenzustand anpassen. Häufiges Überholen erhöhe das Unfallrisiko und sollte vermieden werden. Nach der Winterpause müssten sich sowohl Motorrad- als auch Autofahrer erst wieder aneinander gewöhnen, da Motorräder schmal sind, stark beschleunigen und daher oft zu spät wahrgenommen oder falsch eingeschätzt werden.