Mit dem Frühjahr beginnt traditionell die Saison für Auto- und Motorradfans – und damit auch verstärkte Polizeikontrollen in der sogenannten „Posing-/Tuning-/Eventszene“. Das Polizeipräsidium Ludwigsburg führte bereits am Karfreitag, dem 3. April 2026, umfangreiche mobile Kontrollen in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen durch.
Bei dem Einsatz unterzogen speziell qualifizierte Beamte insgesamt 75 Fahrzeuge und 87 Personen einer Kontrolle. Das Ergebnis: 16 Fahrzeuge wiesen illegale technische Veränderungen auf, so dass keine Betriebserlaubnis mehr vorlag. In sechs besonders gravierenden Fällen mussten die Polizisten eine sofortige Weiterfahrt untersagen.
Neben den Tuning-spezifischen Verstößen stellten die Kontrollkräfte weitere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten fest. Drei Fahrer waren ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs. Weitere drei Autofahrer waren auf der Autobahn um mehr als 40 Stundenkilometer zu schnell und müssen nun mit Bußgeld und Fahrverbot rechnen. Zusätzlich ahndete die Polizei Verstöße wie Unterschreitungen des Sicherheitsabstands, unerlaubtes Rechtsüberholen, einen Rotlichtverstoß, nicht eingehaltene Rettungsgassen und die Nutzung des Standstreifens.
Bereits am 27. März 2026 hatte eine Kontrollaktion im Rahmen des Fahndungs- und Sicherheitstags in Böblingen mit Pressebeteiligung stattgefunden. In den Monaten April und Mai stehen zudem auch Zweiräder im Fokus – darunter nicht nur Motorräder, sondern auch Fahrräder, Pedelecs und E-Scooter.
Das Polizeipräsidium betont, dass es nicht darum gehe, autobegeisterten Menschen den Spaß an ihren Fahrzeugen zu verderben. Vielmehr sollen die „schwarzen Schafe“ identifiziert werden, die sich durch illegales Tuning oder ihr Fahrverhalten über Recht und Gesetz hinwegsetzen und andere gefährden.
Bereits im ersten Quartal 2026 – noch vor dem inoffiziellen Saisonauftakt am „Car-Friday“ – brachte die Polizei in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen über 40 Fahrzeugführer zur Anzeige. Diese hatten mit ihren Fahrzeugen sogenannte „Donuts“ gefahren oder durch durchdrehende Reifen und lautes Aufheulen des Motors unnötigen Lärm verursacht.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei verbotenen Kraftfahrzeugrennen nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuchs. Während 2020 beim Polizeipräsidium Ludwigsburg insgesamt 21 Fälle zur Anzeige gebracht wurden (Böblingen: 9, Ludwigsburg: 12), waren es 2025 bereits 50 Fälle (Böblingen: 27, Ludwigsburg: 23). Seit Jahresbeginn 2026 registrierte die Polizei bereits 16 verbotene Rennen (Böblingen: 6, Ludwigsburg: 10), davon alleine 5 Fälle seit dem 1. April 2026 (Böblingen: 2, Ludwigsburg: 3).
Die Gefährlichkeit solcher Rennen zeigte sich tragisch am 20. März 2025 in Ludwigsburg, als zwei junge Frauen durch die Kollision mit einem an einem Kraftfahrzeugrennen beteiligten Fahrzeug ihr Leben verloren. Am 7. April 2026 wurden die verantwortlichen Fahrer in erster Instanz wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes verurteilt.
Die Polizei erklärt, dass beim überwiegenden Teil der festgestellten Kraftfahrzeugrennen es sich um Verfolgungsfahrten mit der Polizei handelte – die Fahrer wollten sich Kontrollen entziehen, beispielsweise wegen fehlender Fahrerlaubnis, Alkoholeinfluss oder zur Verdeckung anderer Straftaten.
Das Polizeipräsidium differenziert klar zwischen verschiedenen Phänomenen: „Tuning“ umfasst optische oder technische Veränderungen an Fahrzeugen, die grundsätzlich erlaubt sind, solange die geltenden Vorschriften eingehalten werden. Illegal wird es nur bei Erlöschen der Betriebserlaubnis, Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit oder Überschreitung von Lärm- und Schadstoffgrenzwerten. Als „Posing“ bezeichnet die Polizei das Erregen von Aufmerksamkeit durch übertriebenes Beschleunigen, durchdrehende Reifen oder lautes Aufheulen des Motors – ein Verhalten, bei dem rechtliche Grenzen überschritten werden.