Noch vor Schließung der Wahllokale bei der Parlamentswahl in Ungarn hat die Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán massive Vorwürfe gegen die Opposition erhoben. Orbáns Sprecher Zoltan Kovacs erklärte am Sonntag, es würden „fortlaufend Berichte über versuchte Wahlbetrügereien im Zusammenhang mit der Tisza-Partei eingereicht“.
Fidesz habe insgesamt 639 Fälle von Wahlverstößen festgestellt, teilte Kovacs mit. Daraufhin seien 74 Polizeiermittlungen eingeleitet worden. Die Vorwürfe umfassen verschiedene Bereiche: Tisza-Kandidaten sollen möglicherweise Stimmen gekauft haben, zudem gebe es Fälle, in denen Unternehmensvorstände ihre Mitarbeiter unter Druck gesetzt haben, für die Tisza-Partei zu stimmen.
Weitere Berichte deuteten laut Orbáns Sprecher „auf irreführende Wahlkampfaktivitäten hin“. In einem besonders kuriosen Fall habe ein jüngeres Familienmitglied den Ausweis eines älteren Verwandten versteckt, um zu verhindern, dass dieser wählt.
Die Vorwürfe kommen zu einem Zeitpunkt, da die pro-europäische Tisza-Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Péter Magyar in Umfragen zuletzt vorn lag. Die Wahllokale in Ungarn schließen um 19 Uhr, wobei ein verlässlicher Trend oft erst Stunden später zu erkennen ist.
Magyar hat bereits konkrete Pläne für den Wahlabend: Laut Informationen der dts Nachrichtenagentur will er bereits um 19:30 Uhr das erste Mal vor seinen Anhängern in Budapest sprechen. Für 22:30 Uhr ist ein zweiter Redeauftritt des Oppositionspolitikers geplant.