Ungarn-Wahl: Opposition Tisza laut Umfragen vor Orbáns Fidesz – Rekord-Wahlbeteiligung erwartet

via dts Nachrichtenagentur

Bei der Parlamentswahl in Ungarn haben die Wahllokale am Sonntagabend um 19 Uhr geschlossen. Die Wahlbeteiligung lag deutlich höher als bei den letzten vier Wahlen und könnte neue Rekordwerte erreichen. Bis 18:30 Uhr hatten 77,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der letzten Wahl 2022 lag die Beteiligung zum selben Zeitpunkt bei 73,51 Prozent.

Erste Teilergebnisse werden im Laufe des Abends erwartet. Nachwahlbefragungen gibt es in Ungarn nicht. Eine Umfrage des 21 Research Center für Telex, die vom 8. bis 11. April durchgeführt und nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht wurde, sieht die Oppositionspartei Tisza klar vorne. Die Partei von Péter Magyar könnte demnach mit 132 der 199 Sitze in der Nationalversammlung rechnen und damit eine klare Mehrheit erreichen. Bislang war Tisza nicht im Parlament vertreten.

Die regierende Partei Fidesz des bisherigen Ministerpräsidenten Victor Orbán, die gemeinsam mit dem Regierungspartner KDNP bei der letzten Wahl 135 Sitze gewonnen hatte, würde deutlich verlieren und käme der Umfrage zufolge nur noch auf 61 Abgeordnete. Mi Hazánk Mozgalom würde 5 Sitze erreichen, Nemzetiségi képviselö wäre mit einem Abgeordneten vertreten. Die Parteien Demokratikus Koalíció und Magyar Szocialista Párt müssen um den Einzug ins Parlament bangen.

Eine zweite Umfrage des Instituts Median, die in den fünf Tagen vor der Wahl durchgeführt wurde, sieht Tisza ebenfalls klar vorne. Demnach kann die Partei mit 55,5 Prozent der Listenstimmen rechnen, Fidesz mit 37,9 Prozent.

Ein verlässlicher Trend darüber, wer am Ende vorne liegt, ist wahrscheinlich erst Stunden nach Schließung der Wahllokale zu erkennen. Ein Grund dafür ist das von Orbán ab 2011 geänderte Wahlsystem. 106 der 199 Mandate werden über die Erststimme in Einzelwahlkreisen mit einfacher Mehrheit vergeben. Für die übrigen 93 Mandate werden neben der Zweitstimme auch alle Stimmen berücksichtigt, die die unterlegenen Direktkandidaten erhalten haben, sowie alle Stimmen, um die die Wahlkreisgewinner vor den jeweils Zweitplatzierten lagen.

Seit 2022 gilt außerdem eine als „Wahltourismus“ kritisierte Regelung: Bürger müssen nicht mehr tatsächlich an der Adresse wohnen, für die ihr Wohnsitz registriert ist. 2024 wurde zudem die Zahl der Mandate von Budapest reduziert und dafür die Mandatszahl für das die Hauptstadt umgebende Komitat Pest erhöht. 2025 wurde die Obergrenze für Wahlkampfkosten gestrichen.