Deutschen und spanischen Ermittlern ist die Zerschlagung eines Callcenters für betrügerische Schockanrufe gelungen. In einer eigens angemieteten Ferienwohnung in Madrid nahmen die Behörden vier Hauptverdächtige fest, die von dort aus bundesweit ältere Menschen betrogen hatten.
Die Ermittlungen führte die KPI-Z Oberfranken unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Bamberg in enger Zusammenarbeit mit der spanischen Policia Nacional. Europol koordinierte den polizeilichen Informationsaustausch, während die justizielle Abstimmung zwischen den Staatsanwaltschaften in Bamberg und Madrid auf Grundlage Europäischer Ermittlungsanordnungen erfolgte.
Die Tätergruppierung setzte über mehrere Wochen hinweg täglich eine Vielzahl betrügerischer Anrufe nach Deutschland ab. Zielgruppe waren überwiegend ältere Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Täter gaben sich als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Angehörige aus und täuschten eine Notlage vor. Sie behaupteten, ein naher Angehöriger habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und könne nur durch die Zahlung einer hohen Kaution einer Inhaftierung entgehen.
Bei dem Zugriff Mitte März in Madrid nahmen die Einsatzkräfte alle vier Hauptverdächtigen fest: einen 37-jährigen schwedischen Staatsangehörigen aus Hamburg mit seiner 33-jährigen polnischen Ehefrau sowie zwei polnische Staatsbürgerinnen im Alter von 23 und 30 Jahren. Sie agierten als sogenannte „Keiler“ (falsche Polizeibeamte) beziehungsweise „Heuler“ (falsche Angehörige). Bei der Aktion beschlagnahmten die Ermittler Mobiltelefone, SIM-Karten, digitale Speichermedien und Vermögenswerte.
Zeitgleich durchsuchten Einsatzkräfte des Hamburger Landeskriminalamtes den Wohnsitz des 37-jährigen Schweden im Raum Hamburg. Dabei stellten sie erhebliche Vermögenswerte sicher, darunter Gold im Gesamtgewicht von über einem Kilogramm sowie hochwertige Schmuck- und Luxusgegenstände wie Uhren und andere Modeartikel.
Das zuständige Gericht in Bamberg erließ gegen die vierköpfige Bande nationale sowie Europäische Haftbefehle wegen des Verdachts des versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren Fällen. Die spanischen Behörden bereiten die Auslieferungen nach Deutschland vor.
Die Ermittlungen deckten eine komplexe Struktur aus Anrufern, Logistikern, Geldabholern und weiteren Beteiligten auf. In Deutschland nahmen die Behörden in Frankfurt am Main zwei weitere Personen fest, die mit der Verbringung von 920 Gramm Gold aus einem Schockanruf beauftragt waren.
Zum Zeitpunkt der Festnahmen identifizierten die Ermittler 14 konkrete Taten mit Forderungssummen von jeweils rund 90.000 Euro. Die Ermittler der KPI-Z Oberfranken werten derzeit mehrere hundert bis tausend „Schockanrufe“ forensisch aus. Die Folgeermittlungen erbrachten bereits Hinweise auf eine Vielzahl weiterer Betrugsanrufe, darunter einen Anruf nach Österreich, bei dem das Opfer 39.000 Euro an einen angeblichen Konsulatsmitarbeiter übergab.