Die Kriminalpolizei Offenburg hat die Ermittlungen in einem über zwei Jahrzehnte ungeklärten Tötungsdelikt wieder aufgenommen. Im Fall des getöteten Assistenzarztes Dr. Bernhard Benz aus dem Jahr 2000 bestehen nach Angaben der Polizei vielversprechende neue Ermittlungsansätze, die eine umfassende Neubewertung rechtfertigen.
Am Abend des 21. Januar 2000 verließ der 39-jährige Assistenzarzt Dr. Bernhard Benz gegen 19:30 Uhr seinen Arbeitsplatz im Herzklinikum in Lahr. Der Familienvater wollte vom nahegelegenen Bahnhof die Heimreise antreten. Gegen 20:15 Uhr fanden Passantinnen den Mediziner leblos auf einem Grünstreifen im Bereich der Römerstraße auf. Die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben, dass er infolge massiver Gewalteinwirkung im Halsbereich verstorben war.
Die damaligen Ermittlungen wurden mit hohem personellem Aufwand geführt. Eine Sonderkommission wertete über 500 Spuren aus und vernahm zahlreiche Zeugen. Bereits damals ergaben sich Hinweise darauf, dass der Auffindeort nicht mit dem eigentlichen Tatort identisch ist. Eine Zeugin berichtete von einem lautstarken Streit zwischen zwei Männern auf einem Parkplatz in Bahnhofsnähe zur mutmaßlichen Tatzeit. Bis heute sind persönliche Gegenstände des Opfers, darunter eine auffällige Jacke sowie seine Geldbörse und Ausweispapiere, nicht aufgefunden worden.
Verschiedene neue Hinweise aus dem beruflichen Umfeld von Dr. Benz führten dazu, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen wurden. Das berufliche Umfeld steht dabei im Fokus der Kriminalbeamten. Vorhandene Spuren werden mit aktuellen kriminaltechnischen Methoden untersucht. Derzeit laufen Analysen von DNA-Spuren, die einem möglichen Täter oder dessen Umfeld zugeordnet werden könnten.
Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist davon auszugehen, dass sich Opfer und Täter kannten und es im Verlauf einer Begegnung zu einer eskalierenden Auseinandersetzung kam. Neue Hinweise aus der Bevölkerung sowie eine Überprüfung der damaligen Erkenntnisse lassen ein konkreteres Bild des Tatablaufs entstehen.
Zu Jahresbeginn 2026 wurde eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, bestehend aus Todesfallermittlern, Kriminaltechnikern sowie IT- und Finanzspezialisten. Die Polizei bittet die Bevölkerung erneut um Mithilfe und sucht insbesondere Zeugen, die am 21. Januar 2000 gegen oder kurz nach 19:30 Uhr beobachtet haben, wie Dr. Benz in ein Fahrzeug einstieg, oder die Angaben zu seinem Weg zwischen Klinik und Bahnhof machen können.
Gesucht werden auch Personen, die zur Tatzeit Beobachtungen im Bereich des Lahrer Bahnhofs gemacht haben, insbesondere im Zusammenhang mit einem Streitgeschehen, oder die im Bereich der Römerstraße gegen 20:00 Uhr verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben. Von besonderem Interesse sind auch Hinweise zu fehlenden Gegenständen des Opfers, insbesondere einer türkisfarbenen Jacke der Marke Schöffel.
Für Hinweise, die zur Ermittlung oder Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung bis zur Höhe von 3.000 Euro ausgesetzt. Der Fall wird am kommenden Mittwoch in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorgestellt. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Offenburg unter der Telefonnummer 0781 21-2820 entgegen, für die XY-Sendung wurde ein spezielles Hinweistelefon unter 0781 21-6900 eingerichtet.