Die Bielefelder Cold Case-Ermittlungsgruppe hat die Identität einer seit 23 Jahren unbekannten Toten aus dem Godelheimer See bei Höxter geklärt. Bei der 2001 gefundenen Leiche handelt es sich um die seit 1988 vermisste Martina Sch. aus Hannover, wie DNA-Analysen bestätigten.
Die heute 25-Jährige war zum Zeitpunkt ihres Verschwindens als Krankengymnastikschülerin in Höxter tätig. Erster Kriminalhauptkommissar Markus Mertens, Leiter der Cold Case-Ermittlungsgruppe, gab den Durchbruch bekannt, nachdem sich die Ermittler im Februar 2026 gezielt an die Öffentlichkeit gewandt hatten.
Den entscheidenden Hinweis lieferte eine ehemalige Mitschülerin der Krankengymnastikschule der Weserbergland-Kliniken Höxter. Sie erinnerte sich an das Verschwinden ihrer Mitschülerin 1988 und kontaktierte die Polizei Hannover, die wiederum die Bielefelder Kripo verständigte. Insgesamt waren sieben Hinweise eingegangen.
Da die Hannoveraner Kripo bereits einen ähnlichen Fall bearbeitete, lag bereits eine DNA-Probe des Bruders der Vermissten vor. Beim Vergleich der DNA-Profile fielen den Ermittlern deutliche Ähnlichkeiten auf. Ein beauftragtes Institut für forensische Molekulargenetik bestätigte: Die unbekannte Tote und der Bruder sind Geschwister.
Die molekulargenetischen Untersuchungen bestätigten auch die Personenbeschreibung: Martina Sch. war 170 cm groß, hatte blaue Augen, mittelblonde Haare und einen hellen Hauttyp – exakt diese Parameter ergaben die erweiterten DNA-Analysen.
Die 25-Jährige verschwand am 28. September 1988 aus ihrer Wohngemeinschaft in Höxter und hinterließ eine kurze Notiz, die heute als Abschiedsbrief bewertet wird. Nach sorgfältiger Prüfung des Vermisstenfalls und Gesprächen mit Kontaktpersonen gehen die Ermittler nicht mehr von einem Verbrechen, sondern von einem Suizid aus.
Auch die damals festgestellte Fesselung im Beinbereich spricht nicht gegen diese These. Das verwendete Paketband könnte zur Anbringung eines beschwerenden Gegenstandes im Kniebereich oder zur Einschränkung der eigenen Bewegungsfreiheit beim Gang ins Wasser gedient haben.
Die Cold Case-Ermittler informierten die Angehörigen persönlich über den Abschluss der Ermittlungen. Trotz der emotionalen Belastung solcher Gespräche sehen die Beamten es als wichtige Aufgabe an, den Hinterbliebenen nach 37 Jahren Gewissheit zu schenken.