Die Nürnberger Kriminalpolizei hat eine Ermittlungskommission gegen Männer gegründet, die minderjährige Mädchen mit Drogen gefügig machen und sexuell ausbeuten. Die „EKO Kajal“ nahm am Montag die Arbeit auf – ein 23-Jähriger sitzt bereits in Untersuchungshaft.
Strukturermittlungen der Polizei ergaben, dass Angehörige der Betäubungsmittelszene gezielt junge Mädchen aus prekären Familienverhältnissen ansprechen. Bei den Männern handelt es sich überwiegend um Personen mit syrischer, pakistanischer und nordafrikanischer Herkunft. Die meist minderjährigen Mädchen halten sich regelmäßig im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes oder des näheren Umfeldes auf.
Die Täter sollen die Mädchen zunächst mit Zuneigung, Geschenken wie Kleidung oder Kosmetika umwerben und ihnen später harte Drogen wie Crystal Meth geben. Die dadurch entstehende Abhängigkeit nutzen sie gezielt aus: Die Mädchen erhalten weitere Betäubungsmittel nur noch als Gegenleistung für sexuelle Handlungen oder andere „Dienstleistungen“ und müssen sich prostituieren. Die Polizei vermutet auch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen.
Bislang konnten zehn Personen identifiziert werden. Gegen vier von ihnen wird wegen Handels mit Betäubungsmitteln, Abgabe von Drogen an Minderjährige und Sexualdelikten ermittelt. Ein 23-jähriger syrischer Staatsangehöriger befindet sich bereits in Untersuchungshaft. Gegen zwei weitere Männer – einen 22-jährigen Syrer und einen 25-jährigen Staatenlosen – erließ ein Ermittlungsrichter Haftbefehle. Beide sind auf der Flucht. Zudem ermittelt die Polizei gegen einen 18-jährigen pakistanischen Staatsangehörigen.
Die neue Ermittlungskommission arbeitet eng mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und Kooperationspartnern der Stadt Nürnberg zusammen. Ziel ist die Identifizierung weiterer Tatverdächtiger, das Erwirken von Haftbefehlen sowie die Prüfung aufenthaltsbeendender Maßnahmen.
Der Bereich um den Hauptbahnhof und die Nürnberger Innenstadt steht seit Jahren im intensiven Fokus der Polizei. Durch gezielte Schwerpunkteinsätze, Ermittlungskommissionen und erweiterte Videoüberwachung geht sie gegen die Kriminalität vor. Insbesondere seit der Teillegalisierung von Cannabis entwickelte sich vor allem in den Bereichen des Nelson-Mandela-Platzes sowie des Südstadt- und Celtisparks ein zunehmender Handel mit Betäubungsmitteln.
In Absprache mit den Jugendbehörden führt die Polizei umgehend präventive Maßnahmen durch, darunter gezielte Aufklärungsarbeit bei der potentiell gefährdeten Zielgruppe. So soll verhindert werden, dass weitere Mädchen in derartige Abhängigkeiten gelockt werden.