Stand 17:00 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden besteht in Deutschland ein moderates Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt aktuell bei 10 von 10 – das ist der höchste mögliche Wert und signalisiert erhebliches konvektives Potenzial. Besonders in der zweiten Hälfte des Abends, nach etwa 19:00 bis 21:00 Uhr, können sich vor allem im Bereich von Mittelgebirgen und in der Nordhälfte Deutschlands kräftige Schauer und einzelne Gewitter entwickeln. Dabei sind Böen von bis zu 44 km/h zu erwarten. In Verbindung mit der erhöhten Luftfeuchte ist lokal auch Hagel in kleinen Körnern nicht auszuschließen. Gewitterzellen können sich rasch verlagern – wer heute Abend draußen unterwegs ist, sollte die Wetterentwicklung aktiv im Blick behalten.
Die meteorologische Grundlage für diese Einschätzung ist eindeutig: Ein Instabilitäts-Index von 10 bedeutet, dass die Atmosphäre maximal aufgeladen ist – vergleichbar mit einem hohen CAPE-Wert (Convective Available Potential Energy), also einem großen Vorrat an Energie, den aufsteigende Luftmassen für die Gewitterbildung nutzen können. Gleichzeitig liegt die Luftfeuchte bei 74 Prozent und der Abstand zwischen Temperatur und Taupunkt bei nur 5,7 Grad Celsius – beides klare Warnsignale. Je kleiner diese Differenz, desto weniger Energie braucht feuchte Luft, um aufzusteigen und Wolkentürme zu bilden. Hinzu kommen Böen von bis zu 44 km/h, die in Kombination mit der feuchten Luftmasse eine erhöhte Windscherung erzeugen – das bedeutet, dass Wind in verschiedenen Höhenschichten unterschiedlich stark weht. Das begünstigt die Organisation von Gewitterzellen und erhöht theoretisch sogar das Potenzial für rotierende Strukturen (sogenannte Mesozyklonen), auch wenn dies auf dem Gesamtbild für Deutschland heute Nacht eher lokal begrenzt bleiben dürfte. Das Niederschlagsrisiko von 16 Prozent erscheint auf den ersten Blick gering, wird aber durch die extreme atmosphärische Instabilität deutlich relativiert: Wo es regnet, kann es heftig werden.
In der Nacht zum Dienstag klingt die Gewittergefahr allmählich ab, da die Instabilität mit sinkender Temperatur und nachlassender Sonneneinstrahlung abgebaut wird. Der Dienstag selbst präsentiert sich dann grundlegend anders: Der Instabilitäts-Index fällt auf 3 von 10, die Luftfeuchte sinkt auf 50 Prozent, und der Taupunkt-Gradient steigt auf 7,3 Grad – die Luft wird trockener und stabiler. Niederschlag ist praktisch nicht zu erwarten. Mittwoch und Donnerstag bringen eine markante Wetterberuhigung: Am Mittwoch klettern die Temperaturen auf bis zu 33 Grad bei einem Instabilitäts-Index von 0 und einer Taupunkt-Differenz von über 10 Grad – die Luft ist dann so trocken, dass trotz der Hitze keinerlei Gewitterpotenzial besteht. Der Donnerstag bleibt ebenfalls ruhig und trocken, allerdings auffällig gleichmäßig temperiert mit einem sehr engen Temperaturspektrum, was auf eine dichte Bewölkung oder stabile Schichtung hindeutet.
Für heute Abend gilt: Beobachten Sie den Himmel aktiv. Warnsignale für ein herannahendes Gewitter sind plötzlich aufquellende dunkle Wolkentürme im Westen oder Nordwesten, ein spürbarer Temperatursturz innerhalb weniger Minuten sowie rasch zunehmende und drehende Böen. Wer sich im Freien aufhält – ob beim Sport, auf dem Wasser oder bei Veranstaltungen im Außenbereich – sollte bei den ersten Anzeichen sofort ein stabiles Gebäude aufsuchen. Offene Flächen, Gewässer und einzeln stehende Bäume sind bei Gewitter tabu. Autofahrer sollten bei starken Böen und eingeschränkter Sicht durch Starkregen das Tempo deutlich reduzieren und notfalls auf einem sicheren Parkplatz abwarten. Wassersportler und Camper werden dringend gebeten, heute Abend keine Touren mehr zu beginnen und Zelte und Ausrüstung zu sichern. Nutzen Sie Warn-Apps wie NINA oder WarnWetter des Deutschen Wetterdienstes für regionale Echtzeitwarnungen.
