Die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund verzeichnet für das Jahr 2025 einen historischen Tiefstand bei der Kriminalität. Mit 11.012 registrierten Straftaten sank die Zahl um knapp elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig erreichte die Aufklärungsquote mit über 70 Prozent erneut einen überdurchschnittlichen Wert.
„Für die Bürgerinnen und Bürger in den Landkreisen Aurich und Wittmund sind das gute Nachrichten“, erklärt Leitender Polizeidirektor Stephan Zwerg, Leiter der Polizeiinspektion. „Wir leben hier in einer vergleichsweise sicheren Region.“ Die Zahl der Straftaten war seit Bestehen der Polizeiinspektion im Jahr 2004 nie niedriger.
Insgesamt 7.753 Straftaten konnten die Ermittler aufklären – deutlich über dem Durchschnitt der Polizeidirektion Osnabrück, die bei 66,51 Prozent liegt. „Die hohe Aufklärungsquote steht für eine hohe Qualität der Ermittlungsarbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, betont Zwerg, auch wenn die Komplexität der Fälle stetig zunehme.
Besonders erfreulich entwickelten sich die Gewaltdelikte: Die Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit gingen von 2.702 Fällen im Jahr 2024 auf 2.365 zurück – ein Minus von 12,47 Prozent. Raubdelikte sanken von 70 auf 66 Fälle, Körperverletzungen von 1.763 auf 1.526.
Sorge bereitet jedoch der Anstieg der Messerdelikte von 63 auf 85 Fälle. In 51 Fällen – 60 Prozent – kam das Messer ausschließlich als Drohmittel zum Einsatz. „Das ist eine Tendenz, die wir sehr genau im Blick behalten müssen“, warnt Inspektionsleiter Zwerg.
Einen deutlichen Rückgang verzeichneten die Diebstähle: Von 3.592 Fällen 2024 sanken sie um ein Fünftel auf 2.873 – der niedrigste Stand im Zehn-Jahres-Vergleich. Fahrraddiebstähle erreichten mit 468 Taten den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre, nachdem 2024 noch 608 und 2023 sogar 757 Fälle registriert wurden. Seit 2016 sanken die Fahrraddiebstähle um 60 Prozent von damals 1.152 Taten.
Auch Ladendiebstähle gingen nach dem Anstieg 2023 und 2024 wieder zurück: von 843 Taten 2024 auf 714 im vergangenen Jahr. Die Wohnungseinbrüche blieben mit 124 Fällen nahezu konstant (2024: 125). „Bei fast 50 Prozent der Einbruchsdiebstähle sind die Täter gescheitert“, erklärt Erster Kriminalhauptkommissar Carsten Vierkant, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. In 66 der 124 Fälle blieb es beim Versuch. Gewerbeeinbrüche sanken von 236 auf 156 Taten.
Im Bereich häusliche Gewalt wurden 857 Straftaten registriert – 93 weniger als im Vorjahr. „In dem Deliktsbereich ist jedoch das Dunkelfeld sehr groß“, gibt Vierkant zu bedenken. „Viele Straftaten werden leider von Betroffenen nicht zur Anzeige gebracht.“
Bei Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, wie dem „Enkeltrick“ oder Betrug durch falsche Polizeibeamte, wurden weniger Fälle als im Vorjahr registriert. In zwei Fällen kam es jedoch zu vollendeten Betrugstaten mit hohem finanziellem und emotionalem Schaden.
Die Kinder- und Jugendkriminalität zeigt einen leichten Rückgang, bewegt sich mit 1.042 Straftaten aber weiterhin auf hohem Niveau. 295 Fälle betrafen Diebstahlsdelikte, 223 Körperverletzungen.
„Die Straftaten gehen zurück, die Aufklärungsquote bleibt hoch – das ist erfreulich“, zieht Zwerg Bilanz. Handlungsbedarf sieht er besonders bei häuslicher Gewalt und Jugendkriminalität: „Hier werden wir auch weiterhin nicht nachlassen.“