Mit einer perfiden Lügengeschichte über eine angeblich lebensbedrohlich erkrankte Tochter haben Betrüger am Montag, 27. April 2026, eine ältere Bielefelderin um hochwertige Uhren und Schmuck gebracht. Die Täter riefen die Frau am frühen Nachmittag an und schickten kurz darauf einen Komplizen zu ihrem Haus an der Straße Wendischhof im Bielefelder Stadtteil Schröttinghausen.
Gegen 15:30 Uhr klingelte das Telefon der Seniorin. Ein Mann meldete sich als Professor einer Universitätsklinik und behauptete, ihre Tochter sei als medizinischer Notfall eingeliefert worden. Trotz verschiedener Untersuchungen und bereits verabreichter Medikamente sei die Prognose schlecht. Nun wolle man ein neuartiges Medikament einsetzen, das sofort bestellt werden müsse. Um die Frau weiter in Sicherheit zu wiegen, behauptete der Betrüger außerdem, man stehe bereits in Kontakt mit ihrem Schwiegersohn und dieser habe von der Krankenkasse schon eine Kostenzusage erhalten.
Dann wurde es konkret: Der angebliche Professor erklärte, für die sofortige Bestellung des Medikaments müsse eine Sicherheit hinterlegt werden, und erkundigte sich gezielt nach Bargeld und Wertgegenständen im Haus. Anschließend kündigte er einen Kurier eines Bielefelder Krankenhauses an, der die Wertsachen persönlich abholen werde.
Gegen 16:30 Uhr erschien tatsächlich ein Mann an der Haustür der Bielefelderin, nahm die hochwertigen Uhren und den Schmuck entgegen und verließ das Grundstück anschließend zu Fuß. Die Täter hatten es durch geschickte Gesprächsführung und das beharrliche Einreden auf die Seniorin – offenbar waren mehrere Personen am Telefonat beteiligt – geschafft, die Frau davon abzuhalten, ihre Tochter oder andere Verwandte direkt anzurufen.
Besonders beunruhigend: Die Betrüger kannten persönliche Lebensumstände der Frau und gaben gezielt an, ihre Tochter werde in einer Klinik behandelt, die sich tatsächlich in deren echtem Wohnort befindet. Ob sie diese Informationen bereits vor dem Anruf recherchiert hatten oder der Seniorin im Laufe des Gesprächs entlockten, ist bislang unklar.
Der Mann, der die Wertsachen an der Haustür abholte, wird wie folgt beschrieben: zwischen 1,75 und 1,80 Meter groß, etwa 30 Jahre alt, dunkle leicht wellige Haare und südländisches Erscheinungsbild. Hinweise auf den Tatverdächtigen nimmt das Kriminalkommissariat 15 des Polizeipräsidiums Bielefeld unter der Rufnummer 0521/545-0 entgegen.