Das Bundesverteidigungsministerium zeigt sich zufrieden mit der aktuellen Personalentwicklung der Bundeswehr, lässt jedoch offen, ob diese Entwicklung ausreicht, um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht zu vermeiden. Die endgültige Entscheidung darüber treffe nicht das Ministerium selbst, erklärte ein Sprecher am Mittwoch gegenüber der dts Nachrichtenagentur.
„Wenn es dazu kommen sollte – das bedeutet, entweder erfordert es die sicherheitspolitische Lage oder eben der Aufwuchs der Streitkräfte – dann würde es einen größeren politischen Prozess geben, wo ein neues parlamentarisches Verfahren, ein Gesetzgebungsverfahren dranhängt“, so der Ministeriumssprecher.
Die aktuellen Zahlen sprechen nach Ansicht des Ministeriums für den eingeschlagenen Weg. „Die Zahlen sprechen für sich“, betonte der Sprecher. „Wir haben zweistellige Zuwachsprozentzahlen bei den Einstellungen und den Bewerbungen.“ Der saisonal bedingte Personalabgang im Frühjahr sei nun überstanden, und der April habe sich als sehr starker Einstellungsmonat erwiesen. „Wenn dieser Weg so weitergeht, werden wir die personellen Zielzahlen erreichen dieses Jahr und in den nächsten Jahren“, zeigte sich der Sprecher optimistisch.
Die vom Ministerium veröffentlichten Zahlen für April belegen den positiven Trend: Mit aktuell rund 185.900 Soldaten verzeichnete die Bundeswehr im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Zuwachs von über 3.400 Personen. Im Vergleich zum März kletterte die Gesamtstärke allerdings nur um rund 500 Soldaten.
Besonders deutlich zeigt sich der Aufwärtstrend bei den Neueinstellungen: Mit rund 9.500 Einstellungen bis zum 30. April liegt die Bundeswehr um elf Prozent über dem Vorjahreswert. Allein im April wurden rund 3.700 neue Soldaten eingestellt, verglichen mit nur rund 500 im März. Die Zahl der Bewerbungen für eine militärische Laufbahn erreichte Ende April 28.800 und lag damit um 21 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.
Das strategische Ziel der Bundeswehr ist ambitioniert: Bis Mitte der Dreißigerjahre soll die Truppenstärke auf 260.000 aktive Soldaten anwachsen. Parallel dazu ist ein Aufwuchs der Reserve von derzeit rund 70.000 Reservisten auf mindestens 200.000 Personen geplant.