Wegen des Verdachts auf Amtsdelikte haben rund 210 Polizistinnen und Polizisten am Mittwochmorgen acht Wohnungen und Bereiche der Justizvollzugsanstalt Euskirchen durchsucht. Im Zentrum der mehrmonatigen Ermittlungen stehen sieben männliche Justizvollzugsbeamte im Alter von 37, 40, 46, 48, 50 und zweimal 58 Jahren.
Die Beschuldigten sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bonn und des Polizeipräsidiums Bonn Vorteile als Gegenleistung für das Gewähren von Erleichterungen im Vollzug angenommen haben. Den Ermittlungen zufolge erhielten Inhaftierte gegen Zahlungen von Geldsummen oder vergleichbare Vorteile verschiedene Lockerungen des Vollzugs wie Ausgang und Hafturlaube oder Informationen über anstehende Kontrollen.
Neben den sieben Hauptverdächtigen ermittelt die Bonner Polizei auch gegen eine 39-jährige Justizvollzugsbeamtin sowie drei ehemals in der JVA inhaftierte Männer im Alter von 30, 35 und 49 Jahren. Das Kriminalkommissariat 23 hatte die Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen, die mehrere Monate lang die Vorwürfe untersuchte.
Die Durchsuchungen erfolgten auf richterlichen Beschluss in den Kreisen Euskirchen (fünf Wohnungen) und Ahrweiler (eine Wohnung), dem Rhein-Erft-Kreis (eine Wohnung) und in Leverkusen (eine Wohnung). Zusätzlich durchsuchten die Beamten verschiedene Gebäudebereiche der JVA Euskirchen und ein zugehöriges Büro im Amtsgericht Euskirchen.
Ziel der Maßnahmen war die Sicherstellung von Mobiltelefonen, Schriftstücken und sonstigen Beweismitteln. Die Beschuldigten wurden zum Polizeipräsidium Bonn gebracht, wo erkennungsdienstliche Behandlungen und Vernehmungen stattfinden. Die Einsatzmaßnahmen und Ermittlungen dauern noch an.