Die Polizeiinspektion Hildesheim hat im Jahr 2025 insgesamt 7.975 Verkehrsunfälle registriert – 78 mehr als im Vorjahr. Damit liegt die Zahl weiterhin über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, in denen 77.061 Unfälle aufgenommen wurden. Dies teilte Polizeidirektor Cord Stünkel bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für den gesamten Landkreis Hildesheim mit.
Von den 7.975 Unfällen ereigneten sich 5.383 innerhalb und 1.709 außerhalb geschlossener Ortschaften. Auf den Bundesautobahnen A7 und A39 wurden 883 Unfälle im Zuständigkeitsbereich der Polizei aufgenommen.
Seit dem 1. Oktober 2025 nutzt die Polizeiinspektion Hildesheim die neue Applikation „VEV-digital“ für die Unfallaufnahme. Polizeihauptkommissar Günter Sievert, Sachbearbeiter Verkehr, erklärt: „Schlechte Handschriften oder unleserliche Durchschriften sind Geschichte.“ Die Beamten geben alle erforderlichen Daten nun per App in das dienstliche Handy oder Tablet ein. Unfallbeteiligte, die ihre E-Mail-Adresse angeben, erhalten sofort nach den polizeilichen Maßnahmen ein Protokoll zugesandt. Im Jahr 2025 wurden 4.634 Verkehrsunfälle – etwa 58 Prozent der Gesamtzahl – im abschließenden Verfahren vor Ort aufgenommen.
Erfreulich entwickelten sich die Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden: Sie gingen von 189 auf 148 zurück. „Jeder Verstorbene ist einer zu viel – wie im Jahr 2024 verstarben leider auch 2025 elf Verkehrsteilnehmer“, betont Stünkel. Die Verstorbenen waren zwischen 29 und 86 Jahre alt, drei davon weiblich. Fünf waren alleinbeteiligt, sieben tragen zumindest eine Mitschuld und sechs Unfälle ereigneten sich außerhalb geschlossener Ortschaften. Der Rückgang bei den schweren Personenschäden resultiert hauptsächlich aus weniger Schwerverletzten: nur noch 137 statt 179 im Vorjahr.
Auf den Autobahnen A7 und A39 stiegen die Gesamtunfallzahlen von 799 auf 883 Fälle. Gleichzeitig ging die Zahl der Unfälle mit schwerem Personenschaden zurück – es gab keinen tödlichen Unfall (Vorjahr: vier) und die Zahl der Schwerverletzten sank von 27 auf 21. Auffällig ist die Entwicklung in Baustellenbereichen: Mit 356 Unfällen ereigneten sich dort gut 40 Prozent aller Autobahnunfälle (Vorjahr: 216). Die Autobahnpolizei appelliert zu hoher Konzentration, Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen und größerem Sicherheitsabstand bei engen Fahrstreifen.
Ein besonders krasser Fall ereignete sich im Mai 2025: Ein männlicher Fahrer eines weißen VW Golf wurde in einem Baustelleneinlauf bei erlaubter Geschwindigkeit von 100 km/h mit 230 km/h gemessen. Die vorwerfbare Geschwindigkeitsüberschreitung von 123 km/h führt zu einem Bußgeld von 700 Euro und drei Monaten Fahrverbot.
Bei den vier Hauptunfallursachen zeigen sich schwankende Zahlen: Geschwindigkeitsunfälle gingen um 13 auf 313 zurück, Abstandsfehler sogar um 80 auf 821 Unfälle. Vorfahrtsverletzungen sanken minimal, während Abbiegefehler leicht stiegen. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei bei Geschwindigkeitsmessungen 8.138 Übertretungen mit 202 Fahrverbotsandrohungen. 1.177 Verkehrsteilnehmer waren nicht angeschnallt und 828 Fahrzeugführer nutzten unbefugt Handys.
Deutlich zurückgegangen sind Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss: von 98 auf 72 Fälle – ein Rückgang von über 26 Prozent. Dem stehen 272 Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren unter Alkoholeinfluss gegenüber, durch deren Kontrolle möglicherweise Schadensereignisse verhindert wurden.
Erstmals liegen nach der Cannabis-Legalisierung im Sommer 2024 differenzierte Statistiken vor. Bei 32 Verkehrsunfällen unter Drogen- und/oder Medikamenteneinfluss wurde in 19 Fällen (59 Prozent) reiner Cannabis-Konsum nachgewiesen. Bei 238 folgenlosen Fahrten (Vorjahr: 241) lag in 115 Fällen (48 Prozent) reiner THC-Konsum vor. „Die Verkehrssicherheit hat sich in diesem Segment für die Polizeiinspektion Hildesheim zumindest nicht wie vielfach befürchtet verschlechtert“, resümieren die Verkehrsexperten. Hauptsächlich männliche Verkehrsteilnehmer fallen auf: 137 PKW-Fahrten (davon 53 unter THC-Einfluss) und 79 E-Scooter-Fahrten (davon 50 nach THC-Konsum).
Erheblich gestiegen sind E-Scooter-Unfälle: von 49 auf 91 Unfallbeteiligungen. Während die Zahl der Schwerverletzten von sieben auf vier sank, verdoppelten sich die Leichtverletzten von 24 auf 49. Bei 45 der 91 Unfälle tragen die E-Scooter-Lenker zumindest eine Teilschuld. Mit 70 Unfällen konzentrieren sich die meisten auf das Stadtgebiet Hildesheim.
Bei Motorrädern ging die Gesamtunfallzahl erfreulich von 206 auf 190 zurück. Leichtkrafträder (bis 125 ccm) verzeichneten 82 Stürze (-2), dabei wurden zwei Fahrer getötet und sieben schwerverletzt. Mit leistungsstärkeren Maschinen verunglückten 108 Lenker (-14), ein Mensch starb und 19 verletzten sich schwer. Nach der Fahrbahnaufteilung der B 243 auf dem Weinberg im Mai 2025 gab es dort keinen Motorradunfall mehr, dafür stiegen die Unfälle am Roten Berg auf 24 (Vorjahr: 13) mit vier Schwer- und elf Leichtverletzten. 17-mal war Geschwindigkeit die Ursache.
Bei Fahrrädern und Pedelecs blieb die Zahl nahezu konstant: 266 Unfälle (Vorjahr: 265) mit 216 Fahrrädern und 55 Pedelecs. Ein Fahrradfahrer starb, 24 wurden schwerverletzt. Bei Pedelecs gab es zwölf Schwerverletzte (+3). Die Polizei kontrollierte 1.501 Fahrräder mit 569 technischen Mängeln und ahndete 522 Verstöße. Bei 303 kontrollierten Pedelecs wurden 106 Verstöße festgestellt und 39 technische Mängel.
Wildunfälle blieben mit 847 Fällen auf niedrigem Niveau – fast der niedrigste Wert in zehn Jahren. Dabei ereigneten sich 31 Kollisionen innerhalb geschlossener Ortschaften, unter anderem im Lerchenkamp in Hildesheim, der Goslarschen Landstraße in Schellerten OT Wendhausen oder der Hauptstraße im Alfelder Ortsteil Eimsen.
Die Verkehrsprävention bleibt Schwerpunkt: Polizeihauptkommissar Christian Koplin als Verkehrssicherheitsberater betreut jährlich bis zu 1.200 Jugendliche und Fahranfänger, bis zu 1.000 Viertklässler an der Jugendverkehrsschule und bis zu 200 Senioren. Neben etablierten Seminaren wie „Fit mit dem Auto“ oder „Fit mit dem Pedelec“ sollen aufgrund steigender Unfallzahlen verstärkt „Fit mit dem E-Scooter“-Kurse implementiert werden.
Für 2026 bleiben Fahrtüchtigkeit und Geschwindigkeit landesweite Schwerpunktthemen. Die Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung auf den Straßenverkehr werden weiter untersucht. Mit ganzheitlicher Verkehrsprävention und intensiven Kontrollen will die Polizeiinspektion Hildesheim die Verkehrssicherheit in Stadt und Landkreis sowie auf der Autobahn weiter erhöhen.