In der Kulmbacher Dr. Stammberger-Halle feierte am Mittwoch, 6. Mai, das Theaterstück „Entscheidungen“ seine Uraufführung. Das Stück ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Kooperation zwischen der Polizei Oberfranken, der Naturbühne Trebgast und dem Caspar-Vischer-Gymnasium Kulmbach und soll Jugendliche für die Risiken von Alkohol und Rauchen sensibilisieren.
Die Idee entstand durch ein zufälliges Gespräch zwischen Jochen Bergmann, dem polizeilichen Präventionsberater bei der Bayreuther Kriminalpolizei, und Anja Dechant-Sundby von der Naturbühne Trebgast. „Mir war es sofort wichtig, da was zu machen – ich finde, wir haben da eine Verantwortung. Theater öffnet. Wir können den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen und sie emotional bewegen“, erklärte Dechant-Sundby.
Das Besondere an dem Projekt: Eine komplette Schulklasse, die 7a des Caspar-Vischer-Gymnasiums, war maßgeblich an der Entstehung beteiligt. In einer Projektwoche bekamen die Schülerinnen und Schüler nicht nur Input von außen – etwa durch Gespräche mit ehemals Süchtigen –, sondern reflektierten auch intensiv über ihre eigenen Gefühle und Gedanken. Das Theaterstück beginnt mit Originalaufnahmen der Jugendlichen, die ihre Wünsche, Ängste und Sorgen schildern.
„Die Klasse hat uns jede Menge Input gegeben“, berichtet Dechant-Sundby. Die Siebtklässler probierten sich in kreativem Schreiben aus, verfassten persönliche Geschichten und erstellten Listen mit Assoziationen und Schlagwörtern. Theaterpädagogin Lena Scholle entwickelte daraus innerhalb von acht Wochen zusammen mit dem Team der Naturbühne das Stück, das Regisseur Lukas Reinsch inszenierte.
Auf der Bühne stehen die beiden professionellen Schauspieler Philipp Rahn und Nadja Schimonsky, beide unter 30 Jahre alt. Sie zeigen die Geschichte zweier Jugendlicher, die sich kennenlernen und lieben. Der eine versucht die andere zu überreden, doch mal zu vapen – „beruhigt doch so schön“. Die andere muss ihn vor der Türe warten lassen, um in der Wohnung aufzuräumen, weil die alkoholkranke Mutter das nicht mehr schafft.
Im Verlauf des Stücks werden die Protagonisten älter. Sie bekommen ein Baby und streiten sich, weil er nach der Arbeit erstmal ein Bier braucht und ihre Verabredung vergisst. Als das Baby zum Jugendlichen wird, fragt dieser: „Wann trennt ihr euch endlich?“ Doch die Mutter lässt sich „das letzte Mal“ breitschlagen, für den Vater Alkohol zu besorgen, damit er nicht auch noch seinen Führerschein verliert. Das Spiel wird durch Originalzitate und kurze Geschichten der Jugendlichen sowie passende Musikstücke ergänzt.
Das Stück macht verschiedene Zwänge sichtbar. „Wenn du nicht mitmachst, bist du nicht cool“, erklärt Annalena aus der 7a den Gruppendruck. „Warum muss ich mich eigentlich dafür rechtfertigen, nichts trinken zu wollen, und nicht die anderen?“, fragte Schauspielerin Nadja Schimonsky empört nach der Vorstellung.
Die Erfahrungen der Jugendlichen zeigen, dass Alkohol und Nikotin noch immer ein großes Thema sind. „Einmal ziehen macht doch nichts, davon wirst du doch nicht süchtig!“, hat Luise aus der 7a schon zu hören bekommen. Die Mädchen berichten: „Die 18-Jährigen kaufen mit dir ein, was du willst.“ Manchmal seien es sogar die Eltern oder Großeltern, die zum Konsum ermutigen.
Bei der Premiere standen neben den Schauspielern, dem Regieteam und Vertretern der Naturbühne Trebgast und der Polizei Oberfranken auch die Klasse 7a auf der Bühne. Das Publikum – darunter Sponsoren, der Landrat, Vertreter der Regierung von Oberfranken sowie des Polizeipräsidiums Oberfranken und Lehrer anderer oberfränkischer Schulen – war tief bewegt von der Authentizität der Aufführung.
„Das war schon abgefahren, da jetzt unsere Sätze auf der Bühne zu hören“, sagte Elif aus der 7a nach der Uraufführung. Ihre Mitschülerin Isabella glaubt: „Ich denke schon, dass unser Projekt was geholfen hat, weil es auch die Auswirkungen zeigt.“ Emil ergänzt: „Es ist gut gemacht.“
Damit das Stück von mehr Schülerinnen und Schülern gesehen werden kann, geht „Entscheidungen“ nun auf Tournee. Dank eines Spendentopfes können Schulen das Theaterstück gegen einen Eigenanteil für Aufführungen in den eigenen Räumen buchen. Schauspieler und Bühnenbild kommen direkt in die Schulen, etwa auf eine Bühne in der Turnhalle. Interessierte Schulen können sich per E-Mail an spielraum@dienaturbuehne.de wenden, um verfügbare Termine und Kosten zu erfragen.