Deutschlands Energieverbrauch sinkt um 1,7 Prozent im ersten Quartal 2026

via dts Nachrichtenagentur

Der Primärenergieverbrauch in Deutschland ist in den ersten drei Monaten 2026 um 1,7 Prozent auf 3.059 Petajoule oder 104,4 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten gesunken. Das teilte die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen am Freitag mit.

Als wichtigsten Grund für den Rückgang nennt die AG Energiebilanzen die weiterhin schwache Konjunktur. Obwohl das gesamte Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 um 0,5 Prozent wuchs, ging die Produktion in den besonders energieintensiven Wirtschaftsbereichen erneut deutlich zurück. Dem gegenüber stand ein höherer Verbrauch im Raumwärmemarkt aufgrund der teils sehr kalten Witterung im Januar.

Die deutlich gesunkenen Energieeinfuhrpreise im ersten Quartal 2026 hätten eigentlich zu einem höheren Verbrauch führen können. Wegen der Sperrung des Seewegs durch die Straße von Hormus und des ab Anfang März einsetzenden starken Preisanstiegs für Rohöl und Erdgas entfaltete sich dieser Effekt jedoch nicht.

Zusätzlich wirkten statistische Effekte durch Verschiebungen im Energieträgermix. Da im ersten Quartal des laufenden Jahres deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde, ergab sich eine rechnerische Einsparung von Primärenergie. Erneuerbare Energien werden aufgrund internationaler Konventionen bei einem Einsatz in der Stromerzeugung mit einem Wirkungsgrad von 100 Prozent bewertet. Im Vorjahresquartal hatte sich infolge einer niedrigen Windstromerzeugung ein gegenteiliger Effekt ergeben. Bereinigt um den verbrauchserhöhenden Einfluss der kühleren Witterung wäre der Primärenergieverbrauch sogar um 2,2 Prozent gesunken.

Der Mineralölverbrauch nahm in den ersten drei Monaten um 5 Prozent ab. Der Verbrauch von Ottokraftstoff sank leicht um 0,5 Prozent, die Nachfrage nach Dieselkraftstoff nahm um rund 5 Prozent ab. Die Lieferungen von Rohbenzin vor allem an die Chemische Industrie sanken vornehmlich konjunkturbedingt um fast 2 Prozent. Der Verbrauch von Flugkraftstoff verminderte sich um 5,5 Prozent und der Absatz von leichtem Heizöl verzeichnete einen Rückgang um gut 10 Prozent. Die Arbeitsgemeinschaft erklärte: „Offenbar nutzen die Verbraucher die relativ günstigen Preise in den Monaten Januar und Februar nicht, um ihre Heizölvorräte aufzustocken und wurden im März von den drastischen Preissteigerungen überrascht, auf die sie mit deutlicher Kaufzurückhaltung reagierten.“

Der Erdgasverbrauch lag im ersten Quartal 2026 um 1,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Verbrauchserhöhungen im Raumwärmebereich sowie in der Strom- und Fernwärmeerzeugung standen Rückgänge beim Verbrauch der Industrie gegenüber. Der Verbrauch an Steinkohle stieg in den ersten drei Monaten um 3,5 Prozent an. Während der Einsatz von Steinkohle in Kraftwerken um 3,9 Prozent zurückging, erhöhten sich die Lieferungen an die Eisen- und Stahlindustrie um 6,5 Prozent.

Der Braunkohlenverbrauch verringerte sich um gut 7 Prozent, die Förderung ging in gleicher Größenordnung zurück. Neben der fortschreitenden Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten im Zuge des Kohleausstiegs führte die deutlich höhere Stromerzeugung aus Windenergie zu diesem Rückgang, auf deren volatile Einspeisung die Braunkohlekraftwerke bedarfsgerecht reagierten.

Bei den erneuerbaren Energien kam es zu einem Zuwachs von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Maßgeblich war eine um 28 Prozent höhere Windstromerzeugung im Vergleich zu dem extrem windarmen Vorjahresquartal. Die Solarstromerzeugung nahm um 3 Prozent zu. Die kühlere Witterung führte zu einem höheren Einsatz erneuerbarer Energien für Wärmezwecke (plus 4 Prozent), während der Absatz von Biokraftstoffen zurückging (minus 2 Prozent).

Im ersten Quartal 2026 floss erstmals seit 2023 wieder mehr Strom von Deutschland ins Ausland als in die umgekehrte Richtung. Die Stromausfuhren stiegen um 20,6 Prozent auf 19,5 Milliarden Kilowattstunden, die Stromeinfuhren sanken um 15,9 Prozent auf 16,0 Milliarden Kilowattstunden.

Die energiebedingten CO2-Emissionen sind nach überschlägigen Berechnungen der AG Energiebilanzen um rund 2,5 Prozent zurückgegangen, was einer Verringerung von etwa 4,5 Millionen Tonnen entspricht.

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