Landkreis Northeim: Mehr Verkehrstote bei gleichbleibenden Unfallzahlen – Verkehrsunfallfluchten erreichen Zehn-Jahres-Hoch

(v.l.n.r.): PHK'in Simone Köhler, PD'in Marina Vieth, PHK Patrick Kobbe und Ltd. PD'in Maren Jäschke

Die Polizeiinspektion Northeim hat ihre Verkehrsunfallstatistik für 2025 veröffentlicht. Bei nahezu gleichbleibenden Gesamtunfallzahlen stieg die Zahl der Verkehrstoten, während die Unfallfluchten einen neuen Höchststand erreichten.

Im Jahr 2025 registrierte die Polizei im Landkreis Northeim insgesamt 2.884 Verkehrsunfälle – nur 13 Fälle mehr als im Vorjahr (2.871). Der Großteil der Unfälle verlief ohne Personenschaden und beschränkte sich auf Sachschäden (2.478 Fälle, entspricht 85,92 Prozent).

Die Anzahl der Unfälle mit verletzten oder getöteten Personen erhöhte sich jedoch um 19 Fälle auf 406. Bei diesen Unfällen wurden insgesamt 540 Menschen verletzt oder getötet – 51 mehr als im Jahr zuvor (489). Die Zahl der Schwerverletzten ging hingegen geringfügig um eine Person auf 51 zurück.

Besonders dramatisch: Die Polizeiinspektion Northeim verzeichnete 2025 insgesamt sieben tödliche Verkehrsunfälle. Unter den Verstorbenen befanden sich fünf Pkw-Insassen und zwei Motorradfahrer. Auch die Fälle mit schwerem Personenschaden nahmen leicht zu und lagen bei 53 Unfällen gegenüber 51 im Vorjahr.

Unterschiede zeigten sich bei der Betrachtung der Ortslagen: Innerhalb geschlossener Ortschaften ereigneten sich 1.782 Unfälle mit 17 schwer verletzten Personen und einem Todesfall. Außerhalb geschlossener Ortschaften gab es 1.093 Unfälle (2024: 1.077) mit 34 Schwerverletzten und sechs Todesfällen.

Die Zahl der Baumunfälle ging zurück: 2025 wurden 34 entsprechende Verkehrsunfälle registriert (Rückgang um zwei Fälle). Davon ereigneten sich 24 Unfälle außerhalb und zehn innerhalb geschlossener Ortschaften. Bei Baumunfällen wurden sechs Personen schwer und neun leicht verletzt (2024: 2/19). Zwei tödliche Verkehrsunfälle an Straßenbäumen wurden verzeichnet.

Bei Wildunfällen registrierte die Polizei 552 Fälle gegenüber 532 im Vorjahr. Zwei beteiligte Personen wurden dabei leicht verletzt, schwerwiegende Verletzungsfolgen traten nicht auf.

Auffällig entwickelte sich die Situation bei verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen: 52 Fußgänger waren an Verkehrsunfällen beteiligt, 40 wurden dabei verletzt (2024: 57), darunter drei Personen schwer (2024: 8). Wie bereits im Vorjahr gab es auch 2025 keine tödlich verletzten Fußgänger.

Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrrädern und Pedelecs stieg um etwa 17 Prozent auf 102 Verkehrsunfälle. Dabei wurden 71 Radfahrer verletzt (Anstieg um zehn Personen), die Zahl der Schwerverletzten reduzierte sich leicht auf zehn (2024: 11). Todesfälle unter Radfahrern waren nicht zu verzeichnen.

Bei Elektrokleinstfahrzeugen (E-Scootern) stieg die Unfallzahl erneut deutlich: 2025 kam es zu 20 Verkehrsunfällen mit E-Scooter-Beteiligung (2024: 12). In der Folge wurden 14 Personen leicht und eine Person schwer verletzt. Patrick Kobbe vom Sachbereich Verkehr warnt: „Ein E-Scooter ist kein Spielzeug, sondern ein Kraftfahrzeug. Was oft als spaßige Mobilität beginnt, endet aufgrund von Unterschätzung der Geschwindigkeit, Ablenkung oder Alkoholeinfluss leider viel zu häufig im Unfallbericht.“

Positiv entwickelte sich die Situation bei Krafträdern: Die Unfallzahl sank auf 94 Verkehrsunfälle (2024: 119). Dabei erlitten neun Personen schwere Verletzungen, während zwei Menschen tödlich verunglückten (2024: 15/1).

Bei den Risikogruppen nach Alter zeigten sich unterschiedliche Entwicklungen: Die Zahl der verletzten Kinder bis 14 Jahre ging weiter zurück. 2025 wurden zwei schwerverletzte Kinder registriert (2024: 4) sowie 28 leicht verletzte (2024: 32). Todesfälle von Kindern im Straßenverkehr waren nicht zu verzeichnen.

Die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren stieg auf 93 Personen (2024: 74). Innerhalb dieser Altersgruppe wurden vier Personen schwer verletzt und eine Person tödlich verletzt (2024: 5/1).

In der Altersgruppe der Senioren ab 65 Jahren ist ein erneuter Anstieg des Unfallgeschehens festzustellen: 66 Personen wurden leicht verletzt (Zunahme um elf Personen gegenüber 2024: 55), acht Personen schwer verletzt (2024: 7). Vier Personen dieser Risikogruppe kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben (2024: 3). Auffällig ist, dass die Senioren überwiegend mit dem Pkw unterwegs waren und im Zuge dessen verunfallten. Von den tödlich verletzten Personen befanden sich drei im Pkw und eine auf einem Krad. Bei den Schwerverletzten waren fünf Pkw-Insassen, zwei Fußgänger und eine Person auf einem Kraftrad betroffen.

Die Polizeiinspektion Northeim führt in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Northeim/Einbeck e.V. seit 2018 das Seminar „Fit im Auto“ durch. In der rund fünfstündigen Veranstaltung werden Teilnehmer der Altersgruppe 65+ über aktuelle Änderungen der Straßenverkehrsordnung informiert und erhalten die Möglichkeit, ihr Fahrverhalten gemeinsam mit Fahrsicherheitstrainern und Fahrlehrern zu reflektieren. Für das laufende Jahr sind jeweils vier Veranstaltungen in Einbeck und Northeim vorgesehen.

Einen neuen Negativrekord erreichten die Verkehrsunfallfluchten: Mit 719 registrierten Fällen wurde der höchste Stand der vergangenen zehn Jahre erreicht (2024: 663). Rund 40 Prozent der Verkehrsunfallfluchten konnten durch die Polizei aufgeklärt werden. Verkehrssicherheitsberaterin Simone Köhler betont: „Einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung dieser Taten können Zeugen leisten, die ihre Beobachtungen unverzüglich der Polizei mitteilen und die Aufnahme von Ermittlungen unterstützen.“

Als Hauptunfallursachen führen zu hohe oder nicht angepasste Geschwindigkeit sowie unzureichender Sicherheitsabstand weiterhin die Statistik an. Ebenfalls signifikant sind Ablenkung durch Mobiltelefone, Vorfahrtsverstöße sowie die Beeinflussung durch Alkohol- oder Betäubungsmittelkonsum.

Marina Vieth, Leiterin Einsatz der Polizeiinspektion Northeim, erklärt: „Zu hohe Geschwindigkeit bleibt die Hauptunfallursache bei schweren Verkehrsunfällen. Wer rast, gefährdet sich und andere.“ Die Polizei leitete 2025 insgesamt 1.621 Ordnungswidrigkeiten wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen ein, wobei die Messungen schwerpunktmäßig außerhalb geschlossener Ortschaften an Unfallhäufungsstellen stattfanden.

Bei der Ablenkung durch elektronische Geräte dokumentierten die Polizeibeamten 1.024 Verstöße, die eine Anzeige zur Folge hatten.

Im Bereich Alkohol und Drogen wurden 122 Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss festgestellt (Vorjahr: 112). Bei Fahrten unter Betäubungsmitteleinfluss ohne Unfallfolge war ein Rückgang auf 201 Fälle zu verzeichnen (2024: 235). Bei 18 Unfällen wurde der Einfluss von Betäubungsmitteln als ursächlich ermittelt (2024: 10). Die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss stieg auf 44 (2024: 30). Von den 18 Verkehrsunfällen unter Betäubungsmitteleinfluss wurden sieben unter THC-Einfluss verursacht. 153 Fahrten unter THC-Einfluss wurden ohne Verkehrsunfall als Folge begangen.

Maren Jäschke, Leiterin der Polizeiinspektion Northeim, verdeutlicht abschließend: „Wer berauscht fährt, spielt mit seinem Leben und dem Leben anderer. Alkohol, Drogen oder bestimmte Medikamente haben hinter dem Steuer keinen Platz.“ Die Polizei Northeim wird weiterhin im alltäglichen Streifendienst den Verkehr mit Blick auf Fahrtüchtigkeit kontrollieren und dabei nicht nur Pkw-, Lkw- und Busfahrer, sondern auch Motorrad- und Fahrradfahrer sowie Nutzer von E-Scootern und weiteren Fahrzeugen im Fokus haben.