Schleusernetzwerk gesprengt: Bundespolizei durchsucht sieben Objekte in Hessen und Niedersachsen

Anlage: Foto Bundespolizei Das beigefügte Bild ist für redaktionelle Zwecke mit der Quellenangabe Bundespolizei freigegeben.

Die Bundespolizei hat am Donnerstagmorgen (21. Mai) umfangreiche Durchsuchungen gegen eine mutmaßlich international agierende Schleuserbande abgeschlossen. Rund 220 Bundespolizistinnen und Bundespolizisten durchsuchten ab 6.00 Uhr im Auftrag der Staatsanwaltschaft Weiden sieben Objekte in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und dem Werra-Meißner-Kreis in Hessen sowie im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen mehrere Beschuldigte aus Usbekistan, denen gewerbsmäßige Einschleusung von Ausländern, unerlaubter Aufenthalt, Visaerschleichung und Urkundenfälschung vorgeworfen wird. Bei den Durchsuchungen nahmen die Beamten das führende Mitglied der Gruppierung und elf weitere Zielpersonen fest. Zusätzlich trafen sie neun Personen an, die sich vermutlich unerlaubt in Deutschland aufhalten.

Eine Person wurde aufgrund eines Vollstreckungshaftbefehls der Staatsanwaltschaft Gießen festgenommen. Das Amtsgericht Büdingen hatte sie zuvor wegen Sachbeschädigung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Weiden prüft derzeit, ob gegen den Hauptbeschuldigten Haftbefehl erlassen wird.

Die Ermittler stellten umfangreiche Beweise sicher: mutmaßlich gefälschte Identitätsdokumente und Führerscheine unterschiedlicher europäischer Länder, mehr als zwanzig Mobiltelefone, zwei Notebooks sowie Bank-, Melde- und Versicherungsunterlagen. Auch Lohnabrechnungen wurden beschlagnahmt.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine grenzpolizeiliche Kontrolle im Oktober 2025 an der A6 bei Waidhaus. Bundespolizisten kontrollierten während der wiedereingeführten Binnengrenzkontrollen zur Tschechischen Republik einen usbekischen Staatsangehörigen in einem Fernreisebus auf der Route Prag-Amsterdam. Der Mann hatte einen gültigen usbekischen Reisepass mit einem tschechischen Schengenvisum für acht Tage.

Bei der Gepäckkontrolle entdeckten die Beamten vier mutmaßlich gefälschte lettische Identitätskarten und einen mutmaßlich gefälschten polnischen Führerschein auf andere Namen. Auf seinem Mobiltelefon fanden sich Fotos von vier tschechischen Schengenvisa. Diese Funde führten zu Hinweisen auf Personen, die Visa organisiert und beschafft haben sollen.

Nach den bisherigen Ermittlungen soll die Tätergruppierung für arbeitssuchende usbekische Staatsangehörige Kurzzeitvisa für den Schengenraum beschafft haben. Dabei sollen sie gegenüber Behörden falsche Angaben gemacht und gefälschte Flugtickets vorgelegt haben. Nach der Einreise nach Deutschland sollen die Personen mit total gefälschten EU-Personaldokumenten ausgestattet worden sein.

Mit den falschen Papieren sollen sich die Betroffenen anschließend bei Kranken- und Rentenversicherungen, Finanzämtern, Einwohnermeldeämtern, Agenturen für Arbeit und Jobcentern angemeldet haben. Zudem sollen Bankkonten eröffnet und Mobiltelefonnummern aktiviert worden sein.

Der mutmaßlichen Tätergruppierung können nach aktuellem Ermittlungsstand insgesamt 76 erteilte Visa für usbekische Staatsangehörige zugeordnet werden. Diese Personen sollen mit dem Ziel der Arbeitsaufnahme nach Deutschland eingereist sein oder eine Einreise geplant haben. Für die Beschaffung eines Visums sollen rund 2.000 Euro verlangt worden sein, für Flugtickets nochmals 2.000 Euro. Gefälschte Führerscheine kosteten weitere 400 Euro, gefälschte Identitätskarten rund 300 Euro.

Der leitende Staatsanwalt Matthias Bauer erklärt: „Die Durchsuchungen sind ein wichtiger Schritt in einem komplexen Ermittlungsverfahren. Wir gehen konsequent gegen Strukturen vor, die reguläre Migrationsverfahren, behördliche Abläufe und soziale Sicherungssysteme gezielt missbrauchen wollen.“

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