Anlässlich des Internationalen Tages der vermissten Kinder am 25. Mai weist das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen auf die zunehmende Bedeutung digitaler Spuren bei Vermisstenfällen hin. Während Kinder und Jugendliche früher häufig als „spurlos verschwunden“ galten, hinterlassen sie heute in vielen Fällen digitale Hinweise.
Aktuell sind in Niedersachsen mit Stand 1. Mai 2026 insgesamt 1.173 Personen als vermisst registriert. Darunter befinden sich 225 Kinder bis 13 Jahre – 135 männlich und 90 weiblich. Dazu kommen 343 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren: 231 männlich, 111 weiblich und eine diverse Person.
Smartphones, soziale Netzwerke und Messenger-Dienste liefern oftmals erste wichtige Anhaltspunkte zu Aufenthaltsorten oder Kontaktpersonen. Ihr Nutzen hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie gut das Umfeld des Kindes oder Jugendlichen eingebunden ist. Eltern und Bezugspersonen, die Einblick in genutzte Plattformen und Kontakte haben, können wichtige Ansatzpunkte für die Suche liefern.
Gleichzeitig sind digitale Spuren nicht immer eindeutig oder vollständig: Geräte können ausgeschaltet, Accounts gewechselt oder Kommunikationsverläufe gelöscht werden. Moderne Kommunikationsmittel sind daher entgegen einer weit verbreiteten Annahme kein Garant dafür, vermisste Personen schneller aufzufinden. Eine frühzeitige Vermisstenanzeige bleibt unerlässlich.
Bei minderjährigen Personen kann jederzeit bei einer Polizeidienststelle in Niedersachsen eine Vermisstenanzeige erstattet werden. Sofern die minderjährige Person ihren Lebenskreis verlassen hat und ihr Aufenthalt unbekannt ist, wird anders als bei Erwachsenen uneingeschränkt von einer Gefahr ausgegangen und Suchmaßnahmen eingeleitet.
Die Zentrale Vermisstenstelle im LKA unterstützt die verantwortlichen Polizeidienststellen bei der Suche. Sie koordiniert als Schnittstelle den Informationsaustausch mit Polizeidienststellen innerhalb von Niedersachsen und über die Landesgrenze hinweg, veranlasst landesweite Fahndungen etwa über Social-Media-Kanäle und gleicht die Personenbeschreibung mit einer bestehenden Vermisstendatei ab.
Ein Großteil der vermissten Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen entfernt sich eigenständig aus dem gewohnten Umfeld und wird zeitnah gefunden. Häufig spielen dabei persönliche oder familiäre Konflikte sowie Überforderung eine Rolle. Gleichzeitig verlagern sich soziale Kontakte zunehmend in digitale Räume. Neben den klassischen sozialen Netzwerken gewinnen auch Messenger-Dienste und Online-Gaming-Plattformen an Bedeutung.
Das LKA Niedersachsen empfiehlt Eltern und Bezugspersonen daher: Setzen Sie sich frühzeitig mit der digitalen Lebenswelt ihrer Kinder und Jugendlichen auseinander und bleiben Sie dazu im Austausch. Zeigen Sie Interesse an genutzten Apps und Plattformen. Sprechen Sie über Online-Kontakte. Fördern Sie Vertrauen und offene Kommunikation.
Wenn ein Kind oder Jugendlicher verschwindet, rät die Polizei: Bleiben Sie ruhig und konzentriert. Erstatten Sie unverzüglich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei. Tragen Sie alle wichtigen Informationen zusammen – Beschreibung der Bekleidung zum Verschwindezeitpunkt, wann und wo durch wen zuletzt gesehen, Foto. Erkundigen Sie sich bei Freundinnen und Freunden des Kindes oder Jugendlichen sowie deren Eltern. Sorgen Sie dafür, dass Sie für Rückrufe erreichbar sind beziehungsweise jemand zuhause ist, falls das Kind oder der Jugendliche zwischenzeitlich gefunden wird oder heimkommt. Suchen Sie an vertrauten Orten und besprechen Sie dies gegebenenfalls mit der Polizei.