Bielefelds Polizei zeigt am Waldbad Senne: Wie gefährlich nur 20 km/h zu schnell sind

Stand am Waldbad Senne mit ausgerolltem Bremsteppich

Ein Kind läuft plötzlich auf die Straße – und der Fahrer tritt in die Bremse. Doch wenn er statt der erlaubten 30 km/h mit 50 km/h unterwegs ist, kommt das Auto nicht rechtzeitig zum Stehen. Die Kollision mit dem Kind ist unvermeidlich. Genau diese dramatische Rechnung haben Verkehrssicherheitsberater der Polizei Bielefeld am Dienstag, 04.08.2026, am Waldbad Senne mit einem Bremswegteppich anschaulich gemacht – als Teil der internationalen ROADPOL-Woche „Operation Speed“.

Der Bremswegteppich ist eine einfache, aber wirksame Methode: Eltern und Kinder durften schätzen, wo ein Auto zum Stehen kommt, und anschließend eine Pylone auf dem Teppich platzieren. Die Realität schockierte viele. „Häufig konnten wir in erstaunte Gesichter blicken, wie lang ein Bremsweg plötzlich wird, wenn man nur einige Stundenkilometer schneller fährt“, resümiert Polizeihauptkommissar Jürgen Luzar.

Die Zahlen sprechen für sich: Bei 30 km/h benötigt ein Fahrzeug insgesamt 18 Meter, bis es vollständig zum Stehen kommt. Bei 50 km/h sind es dagegen 40 Meter – mehr als das Doppelte. Der Unterschied entsteht in zwei Phasen: Zunächst verstreicht eine Reaktionszeit, in der der Fahrer das Hindernis erkennt und die Bremse betätigt – durchschnittlich etwa eine Sekunde, oft aber auch zwei bis drei Sekunden. In dieser Zeit fährt das Auto ungebremst weiter. Bei 30 km/h sind das bereits 9 Meter, bei 50 km/h 15 Meter.

Erst danach beginnt der eigentliche Bremsweg. Bei 30 km/h kommen nochmals 9 Meter hinzu, bei 50 km/h sogar 25 Meter. Die Faustformel für den Reaktionsweg lautet: Geschwindigkeit in km/h geteilt durch 10, multipliziert mit 3. Der Bremsweg ergibt sich aus: Geschwindigkeit geteilt durch 10, multipliziert mit sich selbst.

Die Aktion am Waldbad Senne zeigte ein Phänomen, das Verkehrspsychologen kennen: Während Kinder intuitiv vorgingen, versuchten Erwachsene, sich an längst vergessenes Fahrschulwissen zu erinnern – und lagen damit häufig daneben. Die Polizei Bielefeld nutzt solche niedrigschwelligen Aktionen, um vor allem in Wohngebieten und vor Schulen sowie Kindergärten das Bewusstsein für die Gefahren von Geschwindigkeitsüberschreitungen zu schärfen.

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