Energieintensive Industrie: Produktion bricht um 15,2 Prozent ein – 50.000 Arbeitsplätze verloren

via dts Nachrichtenagentur

Die energieintensive Industrie in Deutschland hat seit Beginn des Ukraine-Kriegs einen drastischen Produktionseinbruch erlebt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte, sank die Produktion in den energieintensiven Industriezweigen von Februar 2022 bis März 2024 saison- und kalenderbereinigt um 15,2 Prozent. Damit fiel der Rückgang deutlich stärker aus als in der gesamten Industrie, wo die Produktion um 9,5 Prozent zurückging.

Am härtesten traf es die Hersteller von Glas, Glaswaren und Keramik sowie die Verarbeiter von Steinen und Erden mit einem Minus von 25,0 Prozent. Besonders die Produzenten von Beton, Zement und Kalksandstein verzeichneten einen dramatischen Rückgang von 29,3 Prozent. Auch die Papierindustrie musste erhebliche Verluste hinnehmen mit minus 18,5 Prozent, gefolgt von der chemischen Industrie mit minus 18,1 Prozent. Etwas geringer fiel der Produktionsrückgang in der Metallerzeugung und -verarbeitung mit minus 12,9 Prozent aus.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die Mineralölverarbeitung: Diese Branche steigerte ihre Produktion um 24,6 Prozent gegenüber Februar 2022, nachdem seit Januar 2024 deutliche Zuwächse verzeichnet wurden.

Parallel zum Produktionsrückgang verlor die energieintensive Industrie auch massiv Arbeitsplätze. Im März 2024 arbeiteten 794.400 Beschäftigte in diesen Branchen – das sind 53.300 Arbeitsplätze oder 6,3 Prozent weniger als im Februar 2022, als noch 847.700 Personen beschäftigt waren. Den größten prozentualen Stellenabbau gab es in der Papierindustrie mit minus 8,6 Prozent oder 10.200 Arbeitsplätzen. In der Metallerzeugung und -verarbeitung gingen 16.000 Jobs verloren (minus 7,1 Prozent), in der Glas- und Steinverarbeitung 9.800 Stellen (minus 6,4 Prozent). Die chemische Industrie baute 18.300 Arbeitsplätze ab (minus 5,5 Prozent). Nur die Mineralölverarbeitung schaffte 1.000 neue Arbeitsplätze, ein Plus von 5,8 Prozent.

Zu den energieintensiven Industriezweigen zählen die chemische Industrie, die Metallerzeugung und -verarbeitung, die Herstellung von Glas, Glaswaren und Keramik sowie die Verarbeitung von Steinen und Erden, die Papierindustrie und die Mineralölverarbeitung. Diese Branchen zeichnen sich durch einen besonders hohen Energiebedarf im Verhältnis zu ihrer Bruttowertschöpfung aus.

Die Zahlen verdeutlichen die enormen Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den darauf folgenden Sanktionen. Die energieintensiven Industriezweige verbrauchten im Jahr 2022 zusammen 75,6 Prozent der insgesamt in der Industrie genutzten Energie. Den größten Anteil hatte die chemische Industrie mit 27,9 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs, gefolgt von der Metallerzeugung und -bearbeitung mit 23,7 Prozent sowie der Mineralölverarbeitung mit 10,7 Prozent. Die Papierindustrie kam auf 6,7 Prozent, die Glas- und Steinverarbeitung auf 6,6 Prozent des industriellen Energieverbrauchs.

Die wichtigsten Energieträger in den energieintensiven Industriezweigen waren 2022 Erdgas mit 26,3 Prozent, Mineralöle und Mineralölprodukte mit 21,0 Prozent, Kohle mit 18,1 Prozent sowie Strom mit 15,2 Prozent.

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