Die EU-Grenzschutzagentur Frontex schlägt Alarm wegen der Gefahr von Waffenschmuggel aus der Ukraine nach Europa. Besonders nach einem möglichen Waffenstillstand oder Frieden sieht Frontex-Vize-Direktor Lars Gerdes ein „hohes“ Risiko für den illegalen Transport von Waffen, Munition und Sprengstoff in europäische Länder, wie er der „Welt“ mitteilte.
Mit einem Ende der Kampfhandlungen könnten größere Mengen an Kriegsgerät im Land zurückbleiben, während gleichzeitig viele Menschen mit finanziellem Bedarf konfrontiert seien. „Es könnte zu Waffenschmuggel in einem größeren Ausmaß kommen. Das könnte zu einem Sicherheitsproblem für Europa werden“, warnte Gerdes. Besonders gefährlich werde die Situation, wenn Kriegswaffen in kriminelle Netzwerke oder an Terroristen gelangten.
Der Frontex-Vize-Direktor sieht Parallelen zu den Entwicklungen nach den Jugoslawienkriegen. Ein ähnliches Szenario sei „gut möglich“, jedoch mit Waffen neuerer Generation, erklärte Gerdes. Die EU-Grenzschutzagentur hat bereits mit verstärkten Kräften an der Westgrenze der Ukraine Stellung bezogen und beobachtet die Lage genau. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte in dieser Woche davon gesprochen, dass sich der Krieg gegen die Ukraine „dem Ende“ zuneige.
Darüber hinaus registriert Frontex an der EU-Außengrenze die gezielte Instrumentalisierung von Migration durch staatliche Akteure wie Belarus und Russland. Die Behörde nimmt Fluchtbewegungen von Migranten von den europäischen Ostgrenzen nach Libyen wahr. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Menschen dies rein aus eigenem Antrieb tun, geschweige denn selbst die finanziellen Mittel dafür aufbringen können“, stellte Gerdes fest. Von Libyen aus versuchten die Menschen nach Europa zu gelangen, was zu einem starken Anstieg bei den Ankünften etwa auf der griechischen Insel Kreta führe. Gerdes warnte abschließend: „Die nächste Krise wird kommen.“