Ein internationaler Polizeieinsatz hat am Dienstag, 3. November 2026, gegen eine weltweit operierende Betrügerbande vorgegangen. Behörden in Israel, Albanien, Kosovo, Zypern, Nordmazedonien und Finnland führten unter Leitung der Staatsanwaltschaft Itzehoe koordinierte Maßnahmen durch, die von Europol und Eurojust unterstützt wurden.
Bei dem sogenannten „Action Day“ wurden insgesamt 17 Objekte durchsucht. Die Ermittler stellten mehr als 100 Server sowie weitere Beweismittel und Vermögenswerte sicher. Zudem schalteten sie zahlreiche betrügerische Webseiten ab. Sieben Personen wurden auf Basis Europäischer Haftbefehle vorläufig festgenommen mit dem Ziel ihrer Auslieferung nach Deutschland.
Der Gruppierung wird vorgeworfen, in den vergangenen Jahren Anleger aus Deutschland und anderen Staaten um hohe Millionenbeträge betrogen zu haben. Die Betrüger lockten ihre Opfer mit scheinbar seriösen Online-Trading-Plattformen an und versprachen enorme Gewinne durch den Handel mit Kryptowährungen, Devisen oder Aktien. Die Geschädigten wurden zunächst zu überschaubaren Überweisungen veranlasst, denen vermeintliche hohe Kursgewinne vorgespiegelt wurden. Auf diese Weise wurden sie dazu gebracht, weitere und höhere Beträge zu überweisen. Das Geld war weg, sobald die Anleger ihre angeblichen Gewinne auszahlen lassen wollten.
Ausgangspunkt des Verfahrens war eine Strafanzeige eines Ehepaars aus dem Kieler Umland, das seine Ersparnisse auf einer vermeintlichen Trading-Plattform investiert hatte und seine angeblichen Gewinne nicht erhielt. Im September 2022 sicherten Ermittler der Kieler Kriminalpolizei bei einem ersten „Action Day“ umfangreiche Beweismittel. Im Mai 2025 folgten weitere Durchsuchungen in Israel, Albanien, Großbritannien und auf Zypern. Von den damals ermittelten Verdächtigen wurden mittlerweile drei Personen nach Deutschland ausgeliefert und zu Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt.
Bei der Auswertung der 2025 sichergestellten Beweismittel identifizierten die Ermittler ein Unternehmen mit Sitz auf Zypern und in Israel. Dieses Unternehmen gilt als sogenannter „crime-as-a-service-provider“ und stellt verschiedenen Tätergruppierungen betrügerische Internetseiten und Geldwäschenetzwerke zur Verfügung. Sieben verantwortliche Personen des Unternehmens wurden identifiziert; sie werden verdächtigt, an strafrechtlich relevanten Handlungen beteiligt zu sein. Gegen sechs weitere Personen wird ermittelt, die verdächtigt werden, als Kunden des Unternehmens Callcenter in Albanien, Kosovo und Nordmazedonien betrieben zu haben oder dort gearbeitet zu haben.
Die Ermittlungen führt seit dem 1. August 2026 die Ermittlungsgruppe Cybertrading Fraud im Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. Diese Abteilung arbeitet landesweit an solchen Fällen. Zusätzlich wurde eine Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung der Cyberkriminalität bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe eingerichtet.
Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke erklärte: „Ich bin unfassbar stolz auf unsere Polizei. Mit dem erfolgreichen länderübergreifenden Action Day haben unsere Ermittlerinnen und Ermittler erneut gezielt und mit voller Konsequenz gegen organisierten Anlagebetrug im Internet durchgegriffen. Diese Täterinnen und Täter gehen mit einer Skrupellosigkeit vor, die nicht akzeptabel ist. Sie täuschen Menschen eine sichere Zukunft vor, missbrauchen ihr Vertrauen und nehmen ihnen ihre Ersparnisse.“ Finke betonte, dass auch das Internet kein rechtsfreier Raum ist und dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Behörden für solche Kriminellen kein Versteck lässt.
Im Mittelpunkt der weiteren Arbeit steht nun die Sichtung und Analyse des umfangreichen elektronischen Beweismaterials.
Betrugsfälle in Schleswig-Holstein: der Vergleich mit dem Bund
Die Polizei zählte 2025 landesweit 17.745 Betrugsfälle, das sind 600 auf 100.000 Einwohner. Damit steht Schleswig-Holstein besser als der Bundesdurchschnitt, wo 770 Fälle je 100.000 Einwohner erfasst wurden. Gezählt wird Betrug nach den §§ 263 ff. StGB.
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts, 2025.
Dieser Bericht wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz ausschließlich aus offiziellen Angaben der Polizei oder Justizbehörden erstellt und redaktionell geprüft.
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