Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Bielefeld sind die politisch motivierten Straftaten im Jahr 2025 deutlich angestiegen. Die Fallzahlen erhöhten sich von 1.163 auf 1.341 Delikte, was einem Zuwachs von 16 Prozent entspricht. Dies geht aus der Jahresbilanz hervor, die der stellvertretende Polizeipräsident Wolfgang Niewald für Ostwestfalen-Lippe vorgestellt hat.
Der Anstieg liegt zwar im Landestrend, fiel aber geringer aus als in ganz Nordrhein-Westfalen mit 27,6 Prozent. Als Hauptgrund für die Zunahme nennt die Polizei das Wahljahr 2025 mit Bundestagswahl und Kommunalwahlen in NRW. Insbesondere Sachbeschädigungen an Wahlplakaten hätten zu dem Anstieg der politisch motivierten Kriminalität beigetragen.
Entgegen dem Landestrend entwickelten sich die Gewaltdelikte in der Region positiv. Ihre Anzahl sank von 22 auf 17 Fälle, was einem Rückgang von 22,7 Prozent entspricht – während landesweit ein Anstieg von 21,2 Prozent verzeichnet wurde. Der Anteil der Gewaltdelikte an der Gesamtzahl aller politisch motivierten Straftaten reduzierte sich von etwa 1,9 auf 1,27 Prozent. Mit sechs Fällen waren die meisten Gewaltdelikte dem Phänomenbereich „Links“ zuzuordnen.
Herausragend bei den Gewaltdelikten war der mehrfache Mordversuch im Bereich der Bielefelder Bar „Cutie“ am 18. Mai 2025, der dem Phänomenbereich „Religiöse Ideologie“ zugeordnet wird.
Im Phänomenbereich „Links“ explodierten die Fallzahlen förmlich: Sie stiegen von 65 auf 246 Delikte, was einem dramatischen Anstieg von 278,46 Prozent entspricht. Bei mehr als der Hälfte aller Delikte handelte es sich um Sachbeschädigungen (150). Die Polizei führt dies überwiegend auf Taten im Kontext des Wahljahres 2025 zurück, die als eindeutig linksmotiviert klassifiziert wurden.
Im Phänomenbereich „Rechts“ wurden 611 Straftaten registriert – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Fallzahlen befinden sich damit nach dem Anstieg in 2024 auf unverändert hohem Niveau. Zu einem Großteil handelt es sich um das Verbreiten von Propagandamitteln und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organe.
Die Straftaten im Phänomenbereich „Sonstige Zuordnung“ stiegen von 357 auf 428 Fälle, was einem Plus von 19,89 Prozent entspricht. Auch dies führt die Polizei auf das Wahljahr 2025 zurück. Under diese Kategorie fallen Sachbeschädigungen an Wahlplakaten, bei denen eine Zuordnung des meist unbekannten Tatverdächtigen zu einem bestimmten Phänomenbereich nicht möglich ist.
Insgesamt 58 der 1.341 Straftaten im Kriminalhauptstellenbereich waren antisemitisch motiviert – zwei mehr als im Jahr 2024. Bei den 58 Taten entfielen die meisten Fälle auf die Phänomenbereiche „Rechts“ (36 Taten) sowie „Ausländische Ideologie“ (10 Taten). Die Taten wurden oftmals im virtuellen Raum begangen und handelten sich vorwiegend um Volksverhetzungen und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organe, dabei in der realen Welt auch als Graffitis.
Die Anzahl der Straftaten unter Verwendung sozialer Netzwerke sank von 166 im Jahr 2024 auf 114 – ein Rückgang um 31 Prozent. Hierbei handelte es sich vorwiegend um das Verbreiten von Propagandamitteln und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organe, Volksverhetzungen, Beleidigungen und Bedrohungen. Die Anzahl dieser erfassten Straftaten ist zwar geringer als 2024, befindet sich aber weiterhin über dem Niveau des Jahres 2023. Mehr als die Hälfte aller Hasspostings konnte dem Phänomenbereich „Rechts“ zugeordnet werden (63).
Die Aufklärungsquote sank auf 29,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist laut Polizei eine direkte Folge des Anstiegs der niederschwelligen Straftaten ohne Ermittlungsansätze, zum Beispiel Sachbeschädigung von Wahlplakaten. Im Bereich der Gewaltdelikte konnte die Aufklärungsquote mit 70,6 Prozent (2024: 68,2 Prozent) leicht gesteigert werden.
„Als Kriminalhauptstelle nehmen wir die Prävention, die vorbeugende Bekämpfung sowie die Erforschung und Verfolgung politisch motivierter Straftaten sehr ernst, um der Bedrohung unserer Demokratie durch verfassungswidrige und terroristische Organisationen entschieden entgegenzuwirken“, erklärte der stellvertretende Polizeipräsident Wolfgang Niewald.