Russland baut das Gebiet Kaliningrad zu einem Knotenpunkt für Aufklärung und elektronische Kriegsführung aus. Das zeigen bisher unveröffentlichte Aufnahmen der finnischen Satellitenfirma Iceye, über die die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.
Im Zentrum der Aufrüstung steht ein gigantisches Over-the-Horizon-Radar bei Gwardeisk. Mit dieser Technologie kann Russland Flugzeuge und Raketen in einer Entfernung von etwa 900 bis 3.000 Kilometern erfassen – ein Bereich, der Deutschland, Frankreich und Großbritannien umfasst. Eine Satellitenaufnahme von Ende August dokumentiert drei Antennenreihen vor Ort, die jeweils länger als 500 Meter sind. Sie laufen sternförmig zusammen, die gesamte Anlage ist doppelt umzäunt.
Nach Angaben von Iceye existieren in Kaliningrad bereits mehr als 20 Standorte zur Signalaufklärung und elektronischen Kriegsführung. Hinzu kommen derzeit weitere Einrichtungen wie das Radar-System, aber auch eine große kreisförmige Antennenanlage in der Nähe von Tschernjachowsk. Zusammen bieten diese Anlagen Russland laut einem bisher unveröffentlichten Iceye-Bericht zur sicherheitspolitischen Entwicklung im Ostseeraum vielfältige Möglichkeiten zur Überwachung der gesamten Region – vom Abhören von Satellitenkommunikation bis zur Erkennung von Flugbewegungen und ballistischen Raketen.
Die Satellitenaufnahmen belegen auch den Bau neuer Kasernen, Lager- und Ausbildungsanlagen in Karelien und dem Militärbezirk Leningrad. Beispielsweise wird ein Ausrüstungsdepot nördlich von Petrosawodsk wiederhergestellt. Mittels automatischer Erkennung stellte Iceye zudem fest, dass an einem mobilen S-400-Boden-Luft-Raketenstandort bei Baltijsk die Abschussvorrichtungen angehoben wurden – sie wurden offenbar einsatzbereit gemacht.
Iceye-Aufnahmen zeigen darüber hinaus, dass Russland regelmäßig Konvois mit militärischer Fracht durch die Ostsee transportiert, etwa nach Libyen. Die Konvois werden von Kriegsschiffen begleitet, geben falsche Zielorte an und nutzen ihr automatisches Identifikationssystem (AIS) nur sporadisch – offenbar um ihren Weg zu verschleiern. Dennoch werden sie per Satellit geortet.
Ein konkretes Beispiel liefern Iceye-Daten zum sanktionierten Frachtschiff Sparta unter russischer Flagge. Dabei handelt es sich um ein Ro-Ro-Frachtschiff, das rollende oder selbstfahrende Ladung über große Rampen an Bord nimmt und wieder entlädt. In den vergangenen Wochen fuhr die Sparta aus dem Kaliningrader Hafen Baltijsk nach Tartus in Syrien und wieder zurück – mutmaßlich mit Militärfahrzeugen an Bord.
Die Sparta wurde durchgehend vom Zerstörer der Udaloy-Klasse Admiral Lewtschenko eskortiert und war in Begleitung des Tankers General Skobelew sowie des Versorgungsschiffs Akademik Paschin. Auf dem Weg nach Süden gab die Sparta Port Said in Ägypten als Zielort an. Tatsächlich aber schaltete sie ihr AIS bei Gibraltar aus und fuhr nach Syrien.
Dieser Bericht wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus offiziellen Quellen erstellt und redaktionell geprüft.
Autor: dts Nachrichtenagentur