Verdi droht mit massiven Streiks im Einzelhandel – Tarifkonflikt eskaliert

via dts Nachrichtenagentur

Die Gewerkschaft Verdi bereitet sich darauf vor, den Arbeitskampf im Einzelhandel deutlich zu verschärfen. Kunden von Supermärkten und anderen Einzelhandelsgeschäften müssen sich in den kommenden Wochen auf größer angelegte Streiks einstellen, sollte es in den laufenden Tarifverhandlungen nicht zu einer Einigung kommen.

Seit April laufen die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und den Arbeitgeberverbänden – bislang ohne Ergebnis. Verdi-Vorständin Silke Zimmer machte gegenüber der Süddeutschen Zeitung deutlich, dass die Gewerkschaft ihre Streikmaßnahmen intensivieren werde, falls sich die Arbeitgeber in den nächsten Wochen nicht bewegen. Mehrtägige Arbeitsniederlegungen sind dann denkbar. Die Gewerkschaft plant dabei gezielt, diejenigen Unternehmen ins Visier zu nehmen, die die Verhandlungen blockieren.

Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten – mit einer Mindestforderung von 14,90 Euro pro Stunde. Die Forderung betrifft etwa ein Viertel der mehr als drei Millionen Verkäufer im Einzelhandel, die unter Tarifvertrag stehen. Die Gewerkschaft begründet ihre Position mit den Preissteigerungen der vergangenen Jahre sowie den gestiegenen Energiekosten: Nach dem Beginn des Kriegs zwischen den USA und Iran verteuerten sich Benzin und Diesel erheblich. Ökonomen prognostizieren für dieses Jahr eine Inflation von etwa drei Prozent; im Juli lag die Quote bereits bei 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Arbeitgeber halten dagegen. Der Handelsverband HDE bot zuletzt 4,4 Prozent Lohnsteigerungen an. HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke argumentierte vor Verhandlungsbeginn, dass der Handelssektor kaum Spielraum habe und die Verdi-Forderungen an der Realität vieler Einzelhandelsunternehmen vorbeigingen.

Ein zentraler Konfliktpunkt sind die Löhne jüngerer Verkäufer. Nach Verdi-Ansicht sind die Arbeitgeberangebote so niedrig, dass die Gehälter in einigen Regionen vom geltenden Mindestlohn eingeholt würden. Die Bundesregierung plant, den Mindestlohn zum 1. Januar 2027 von derzeit 13,90 auf 14,60 Euro pro Stunde zu erhöhen. Zimmer kritisierte dies als Skandal: Die meisten Einzelhandelsbeschäftigten hätten eine abgeschlossene Berufsausbildung und verdienen mehr Wertschätzung als nur den Mindestlohn. Der HDE entgegnet, dass Tarifbeschäftigte nahezu flächendeckend Urlaubs- und Weihnachtsgeld erhielten. Damit liege das Einstiegsgehalt bereits heute deutlich über dem künftigen Mindestlohn von 14,60 Euro pro Stunde.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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