Top-Story der Woche
Drohnenanschlag Leipzig: Berlin macht Russland verantwortlich
Zeit für eine erste Bilanz der Woche: Die Bundesregierung plant, Russland offiziell für den versuchten Sprengstoffdrohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich zu machen und Sanktionen anzukündigen. Bei dem Vorfall waren nach bisherigen Erkenntnissen mehrere Drohnen im Spiel. Ermittler stellten mindestens eine weitere Drohne und möglicherweise militärischen Sprengstoff sicher. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach am Dienstag bei der Kabinettsklausur von einer „handfesten Bedrohung“. Die Bundesregierung kündigte „umfangreiche“ Maßnahmen an, die eine Kombination aus direkten diplomatischen und wirtschaftlichen Schritten umfassen sollen.
Bundespolitik
Die Regierungskoalition traf sich zur Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) beschrieb die Atmosphäre als ausgezeichnet. Bundeskanzler Merz betonte nach dem Treffen, man habe „Deutschland von morgen“ diskutiert, und betonte, dieses Deutschland sei „optimistisch und zuversichtlich“. CDU-Chef Merz schlug Unionsfraktionsvize Mathias Middelberg als neuen Bundesschatzmeister vor. Die Bestätigung durch den Bundesvorstand steht am 7. September an. In der Debatte um die Brandmauer-Strategie warnte die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf davor, dass diese nicht dazu führen dürfe, dass Parteien ihre grundgesetzlich garantierten Rechte verlieren. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht sprach sich für eine teilweise Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen-Anhalt aus und warb für einen unabhängigen Landtagspräsidenten. Die SPD beschloss ein umfassendes Sparprogramm. Im Willy-Brandt-Haus arbeiten derzeit 171 Mitarbeiter, diese Zahl soll durch Stellenabbau reduziert werden. Der Partei fehlen jährlich etwa fünf Millionen Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung.
Wirtschaft
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Das Statistische Bundesamt korrigierte damit die vorläufige Schätzung von Ende Juli um 0,1 Prozentpunkte nach oben. Die Stimmung in deutschen Unternehmen hellte sich auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im August auf 88,8 Punkte nach 86,7 Punkten im Juli. Die Exporterwartungen sprangen auf 9,6 Punkte, ein Wert, der seit Februar 2022 nicht mehr erreicht wurde.
Die Reallöhne stiegen im zweiten Quartal 2026 um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Nominallöhne erhöhten sich um 4,3 Prozent, während die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent zulegten. Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte im August wenig Schwung. Die Zahl der Arbeitslosen stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 36.000 Personen auf insgesamt 3,061 Millionen. Saisonbereinigt erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um 4.000. Die Importpreise stiegen im Juli 2026 um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, getrieben durch Energiekosten.
Das Geschäft mit Immobilienfinanzierungen wuchs im ersten Halbjahr 2026. Die im Verband deutscher Pfandbriefbanken organisierten Institute vergaben Immobiliendarlehen im Gesamtvolumen von 80,4 Milliarden Euro, ein Plus von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In Deutschland klafft eine Lücke von schätzungsweise 1,35 Millionen Wohnungen, wie der Bau-Monitor 2026 des Pestel-Instituts zeigt. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform erwartet für 2026 einen weiteren Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Die IG Metall kündigte im Streit mit Volkswagen um Arbeitsplätze und Fabrikstandorte harte Proteste und erstmals reguläre Streiks an. Nach Informationen aus Konzernkreisen wird nicht mehr damit gerechnet, dass in Deutschland bis 2030 mehr als 100.000 Jobs wegfallen.
Sicherheit und Bundeswehr
Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen warnte bei der Vorstellung der Wirtschaftsschutzstudie 2026 vor dem Einsatz Künstlicher Intelligenz bei Cyberangriffen. Der KI-Einsatz sei „ein Booster hinsichtlich der Bedrohung“, sowohl bei der Quantität als auch der Qualität von Attacken auf Unternehmen und Behörden. Vom Flughafen Leipzig/Halle startete am Dienstagmorgen ein Charterflug nach Afghanistan. An Bord befanden sich 23 ausreisepflichtige afghanische Männer, bei denen es sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums großenteils um verurteilte Straftäter handelte, darunter wegen Sexualdelikten und Gewaltverbrechen.
USA und Trump-Administration
US-Präsident Donald Trump gab bekannt, dass die USA sich die Kontrolle über mehr als 65 Milliarden Barrel der nachgewiesenen Ölreserven Venezuelas gesichert haben. Nach Trumps Angaben verdoppelt die Transaktion die US-Ölreserven und soll die Benzinpreise für amerikanische Verbraucher senken. Trump teilte mit, sämtliche Minen aus den internationalen Gewässern der Straße von Hormus seien entfernt oder unschädlich gemacht worden. Er kündigte eine harte Linie gegen den Iran an. CIA-Direktor John Ratcliffe reiste nach Informationen des US-Senders CBS am Dienstag zu Gesprächen nach Moskau. Öffentlich einsehbare Flugradardaten zeigten die Landung eines US-Militärflugzeugs auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo.
Ukraine und Russland
Ein russischer Drohnenangriff auf ein Munitionslager nahe Kiew tötete mindestens 27 Menschen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab bekannt, dass der Anschlag im Dorf Myla im Bezirk Butscha einen Großbrand sowie mehrere Explosionen auslöste. Durch die Detonationen wurden Wohnhäuser schwer beschädigt.
Weitere internationale Ereignisse
Kanada kündigte Vergeltungszölle gegen Güter aus den USA an. Die neuen Gegenzölle sollen ab dem 8. September gelten und ein Gesamtvolumen von 27,6 Milliarden Dollar umfassen. Auf Stahl- und Aluminiumprodukte werden Zölle von bis zu 50 Prozent erhoben, auf Autos und Autoteile 25 Prozent. Die Europäische Kommission baut an einer wirtschaftspolitischen Allianz mit Großbritannien, Japan und Südkorea, um sich gemeinsam gegen chinesische Überkapazitäten auf dem Automobilmarkt zu wehren. Sechs EU-Nettozahler lehnen den Haushaltsentwurf der Europäischen Kommission für die Jahre 2028 bis 2034 ab. Mit einem Volumen von knapp 2 Billionen Euro sei der Vorschlag zu teuer, erklärten die Staats- und Regierungschefs von Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Finnland und Schweden nach einem Treffen in Berlin. Österreich will künftig den Rechtsrahmen ändern, um gegen russische Spionage vorzugehen, die von Wien aus gegen Nachbarländer wie Deutschland betrieben wird. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) kündigte an, entsprechende Gesetze zu verschärfen. Der Facebook- und Instagram-Konzern Meta hat sich mit 29 US-Bundesstaaten auf einen Milliardenvergleich geeinigt. Meta soll bis zu 18 Milliarden US-Dollar zahlen und strikte Regeln für den Jugendschutz einführen.
Polizeimeldungen der Woche
In Leverkusen-Schlebusch wurde ein 20-Jähriger erstochen, in Ahlen bedrohte ein Mann einen Jugendlichen mit einem Messer bis ins Krankenhaus, in Berlin-Schöneberg musste ein Mann nach einem Messerangriff notoperiert werden, in Erfurt kam es zu einer Straßenschlacht mit Messern und Schlagwerkzeugen, und in Dortmund fahndete die Polizei nach einem bewaffneten Raub auf einem Kirchenvorplatz. In Zülpich bedrohte ein maskierter Mann eine Frau mit einem Messer, in Heidenheim wurde eine 87-Jährige von einem Lkw erfasst und starb an der Unfallstelle, in Eutin starb eine Frau nach einem Verkehrsunfall auf der Landesstraße 176.
An der Sekundarschule in Gosen-Neu Zittau in Brandenburg tötete ein 19 Jahre alter Deutscher seine 18-jährige Ex-Freundin und den 30-jährigen Hausmeister mit einer Schusswaffe. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter fest. Ministerpräsident Dietmar Woidke reagierte tief betroffen auf die Tat. Die Staatsanwaltschaft Leipzig erhob Anklage gegen einen 33-jährigen Deutschen, der am 4. Mai in der Grimmaischen Straße eine Amokfahrt begangen haben soll. Der Mann tötete dabei zwei Menschen und gefährdete nach Angaben der Behörde weitere 85 Menschen.
Timmy der Wal
Timmy der Wal ist seit Mitte April 2026 vor der niedersächsischen Nordseeküste gestrandet. Die Rettungsversuche laufen weiter, der Wal befindet sich weiterhin am gleichen Ort, sein Zustand wird täglich beobachtet.
Kultur und Sport
Die Country- und Popmusik-Ikone Dolly Parton starb im Alter von 80 Jahren. Parton gehörte seit den 1970er-Jahren zu den erfolgreichsten Sängerinnen und Songautorinnen ihrer Branche. In ihrer Karriere verkaufte sie über 100 Millionen Alben. Der ehemalige bosnisch-serbische General Ratko Mladic starb im Alter von 84 Jahren. Mladic war 2017 wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Schauspielerin Veronica Ferres und Investor Carsten Maschmeyer gaben ihre Trennung bekannt. Die beiden hätten sich bereits vor längerer Zeit in Freundschaft auf die Trennung geeinigt. Der Spielfilm „Everytime“ von Regisseurin Sandra Wollner wird Deutschland bei der 99. Oscar-Verleihung in der Kategorie „Best International Feature Film“ vertreten. Der FC Schalke 04 besiegte den Halleschen FC in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals nach Verlängerung mit 5:2. Der Dax kletterte am Freitag auf ein neues Rekordhoch und notierte zum Xetra-Handelsschluss bei 26.570 Punkten.
Weitere Stories der Woche
Norwegens König Harald V. starb am Freitag im Alter von 86 Jahren im Universitätsklinikum Oslo. Sein Sohn Haakon wird neuer König von Norwegen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) fordert eine EU-weite Übergewinnsteuer für Ölkonzerne, das Kabinett ist sich darüber nicht einig. Die geplante Zuckersteuer auf süße Getränke wird dem Staat nach Berechnungen der Lebensmittelindustrie 3,97 Milliarden Euro jährlich bringen, statt der vorgesehenen 450 Millionen Euro. Klingbeil wies Spekulationen über eine Ausweitung auf zuckerfreie Getränke zurück. Das Bundeslandwirtschaftsministerium lehnt die geplante Zuckersteuer ab und hat Leitungsvorbehalt eingelegt. Die Bundesregierung will bei Künstlicher Intelligenz Platz drei oder vier weltweit anstreben. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte, die Lücke europäischer Modelle zu führenden Modellen aus Amerika und China sei zu groß. In Brandenburg kam es bei der Landtagswahl zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen AfD und CDU. Eine ZDF-Umfrage sah die AfD bei 40 Prozent, die CDU bei 23 Prozent. Im Thüringer Landtag scheiterte das Misstrauensvotum der AfD gegen Ministerpräsident Mario Voigt. Björn Höcke erhielt 33 Stimmen, notwendig gewesen wären 45. Berlins Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf kündigte im Fall eines Wahlerfolgs die Enteignung großer Wohnungskonzerne an. Die Linke präsentierte ein Rechtsgutachten für einen bundesweiten Mietendeckel. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) signalisierte Bereitschaft für eine fünfjährige Übergangsfrist bei der geplanten Abschaffung der „Rente mit 63“. Deutschland verzeichnete 2025 weniger Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen. Rund 5,9 Millionen Liter traten unkontrolliert in die Umwelt aus, 8,9 Prozent weniger als 2024. Eine Analyse des Ifo-Instituts zeigte, dass die alternde Bevölkerung der Hauptgrund für den Anstieg der Sozialausgaben ist. Die Ausgaben für Alter und Krankheit machen 2025 zusammen rund 70 Prozent der gesamten Sozialausgaben aus. Nach einer verheerenden Flutwelle im Himalaya-Gebiet, die hunderte Menschen tötete, schickte Bundeskanzler Merz Kondolenztelegramme an Nepal und China. Die EU-Corona-Hilfen werden den deutschen Steuerzahler bis 2058 etwa 150 Milliarden Euro kosten. Die Bundesregierung ignoriert die Umbenennung des Ontariosees durch US-Präsident Donald Trump und wird den See weiterhin „Ontariosee“ nennen.