Stand 17:00 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden gilt in Schleswig-Holstein ein HOHES Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt aktuell bei 10 von 10 – dem Maximum der Skala. Obwohl die Niederschlagswahrscheinlichkeit modellseitig mit nur 9 Prozent angegeben wird, täuscht dieser Wert: Die thermodynamischen Bedingungen sind für explosive Konvektion nach 19:00 Uhr ausgesprochen günstig, besonders im Binnenland und entlang von Küstenkonvergenzlinien. Wind aus Nordwest mit 27 km/h und Böen bis 45 km/h liefert ausreichend Windscherung für organisierte Gewitterzellen. Hagel in kleinen Korngrößen sowie kräftige Sturmböen unter Gewitterclustern sind möglich. Betroffen sein können bevorzugt die Kreise Rendsburg-Eckernförde, Segeberg und der Hamburger Rand.
Der Grund für die extreme Instabilität liegt im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der Instabilitäts-Index von 10/10 entspricht einem hochgradig labilen Temperaturprofil – Luftmassen in der Höhe sind deutlich kälter als bodennahe Luft, was konvektiven Auftrieb erzeugt (vergleichbar mit einem hohen CAPE-Wert, also viel gespeicherter Energie in der Atmosphäre). Gleichzeitig liegt die Temperatur-Taupunkt-Differenz bei nur 6,6°C – das bedeutet, die bodennahe Luft ist nahezu gesättigt, der Taupunkt ist eng. Werte unter 7°C gelten als kritische Grenze für effiziente Gewitterbildung, da wenig Energie für die Verdunstung verbraucht wird und Wolkentürme rasch in die Höhe schießen können. Die Luftfeuchte von 72 Prozent unterstützt dieses Bild. Hinzu kommen Böen bis 45 km/h, die in Kombination mit der Feuchte eine erhöhte Windscherung erzeugen – also eine Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe –, was langlebige, rotierende Gewitterzellen (sogenannte Mesokonvektion) begünstigt. Das Druckfeld zeigt dynamischen Auftrieb, der die Konvektion weiter anfacht.
In der Nacht auf Dienstag sollte die Aktivität nach Mitternacht allmählich nachlassen, da die bodennahe Einstrahlung als Energiequelle wegfällt und stabilere Luftmassen von der Nordsee vorrücken. Der Dienstag selbst präsentiert sich deutlich ruhiger: Der Instabilitäts-Index fällt auf 3 von 10, die Luftfeuchte sinkt auf 50 Prozent und die Taupunktdifferenz wächst auf 6,8°C – das Gewitterrisiko ist damit als niedrig einzustufen. Erst am Mittwoch kehrt erhöhtes Potenzial zurück: Der Index steigt wieder auf 8 von 10, die Taupunktdifferenz fällt auf nur 4,5°C (ein kritisch enger Wert), und Böen bis 54 km/h in Kombination mit einer Niederschlagswahrscheinlichkeit von 32 Prozent deuten auf erneute Schauer- und Gewittergefahr hin – dann allerdings eher frontaler Natur mit flächigem Charakter.
Wer heute Abend im Freien ist, sollte die Zeichen ernst nehmen: Plötzlich aufquellende Cumulonimbus-Türme (dunkel-graue, blumenkohlförmige Wolken), ein spürbarer Temperatursturz von mehreren Grad innerhalb weniger Minuten sowie rasch zunehmende Böen sind zuverlässige Warnsignale für einen nahenden Gewitterkern. Wassersportler an der Ostsee und Binnengewässern sollten sofort Land ansteuern, sobald sich der Himmel im Westen verdunkelt – auf dem Wasser gibt es keinen sicheren Schutz vor Blitzschlag. Autofahrer sollten bei starken Böen Geschwindigkeit reduzieren und Abstand zu Brücken, Bäumen und Gerüsten halten. Outdoor-Veranstaltungen im Freien sollten nach 19:00 Uhr nur mit Blick auf aktuelle Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD-WarnWetter-App) fortgesetzt werden.
