Stand 17:05 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden gilt in Schleswig-Holstein ein moderates bis erhöhtes Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt aktuell bei 8 von 10 – das ist ein deutlich erhöhter Wert, der konvektive Aktivität begünstigt. Gleichzeitig zeigt die Taupunkt-Differenz von nur 4,5°C, dass Luft und Feuchtigkeitsgehalt sehr nah beieinander liegen – ein klassischer Hinweis darauf, dass sich Schauer und Gewitter schnell entwickeln können. Besonders in der zweiten Nachthälfte, also nach 21:00 Uhr, sollte man in weiten Teilen des Landes mit dem Auftreten einzelner Gewitter rechnen. Der Wind weht mit 23 km/h und erreicht Böen bis 36 km/h – knapp unterhalb der kritischen Schwelle von 40 km/h, ab der in Verbindung mit hoher Feuchte ein erhöhtes Potenzial für rotierende Gewitterzellen entsteht. Hagel ist bei dieser Konstellation nicht ausgeschlossen, aber derzeit nicht das Hauptrisiko. Im Fokus stehen kurze, aber intensive Starkregen-Ereignisse und kräftige Böen in Gewitternähe.
Warum zeigt der heutige Tag trotz einer Höchsttemperatur von nur 22°C ein so hohes Instabilitätspotenzial? Der entscheidende Faktor ist die Kombination aus einer hohen relativen Luftfeuchte von 79 % und dem geringen Taupunkt-Abstand von 4,5°C. Letzterer beschreibt die Differenz zwischen der aktuellen Lufttemperatur und dem Taupunkt – also dem Punkt, an dem Wasserdampf zu Wolken kondensiert. Je kleiner diese Lücke, desto weniger Energie braucht aufsteigende Luft, um Wolkentürme zu bilden. In Kombination mit einem Instabilitäts-Index von 8 – einem Maß für das konvektive Energiepotenzial der Atmosphäre, vergleichbar mit dem CAPE-Wert in der Fachmeteorologik – sind die Voraussetzungen für kräftige Gewitterentwicklung klar gegeben. Die Windscherung, also die Veränderung von Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe, ist bei Böen von 36 km/h moderat ausgeprägt, reicht aber aus, um aufbauende Gewitterzellen zu organisieren und langlebiger zu machen. Ein sinkender Drucktrend in den Abendstunden würde als dynamischer Auftrieb wirken und Konvektion zusätzlich befeuern.
In der Nacht auf Mittwoch lässt die Gewittergefahr voraussichtlich nach – aber erst nach Mitternacht merklich. Der Mittwoch selbst präsentiert sich dann als deutliche Wetterbesserung: Der Instabilitäts-Index fällt auf 3 von 10, die Luftfeuchte sinkt auf 50 % und der Taupunkt-Abstand weitet sich auf 7,3°C aus. Das bedeutet eine stabile, trockene Luftmasse, die Gewitterentwicklung aktiv unterdrückt. Auch der Donnerstag folgt diesem Muster mit ähnlichen Werten bei bis zu 31°C Höchsttemperatur – sommerlich warm, aber gewitterfrei. Der Freitag fällt mit einer merkwürdig konstanten Temperatur von 19°C auf, kombiniert mit einem sehr geringen Taupunkt-Abstand von nur 2,3°C. Das klingt zunächst nach Gewitterpotenzial, aber der Instabilitäts-Index bleibt bei 3 und die Niederschlagswahrscheinlichkeit ist mit 4 % minimal – hier deutet sich eher eine feuchte, bedeckte Witterung ohne Konvektion an, möglicherweise mit Hochnebel oder tiefer Bewölkung.
Für den heutigen Abend gilt: Wer Outdoor-Aktivitäten plant, sollte den Himmel im Westen und Südwesten im Blick behalten – dort bauen sich Gewitterzellen erfahrungsgemäß zuerst auf. Warnsignale sind eine plötzliche Abkühlung um mehrere Grad innerhalb von Minuten, rasch zunehmende Böen und das Aufziehen mächtiger Cumulonimbus-Wolken mit ambossförmigen Köpfen. Wer sich auf dem Wasser befindet – ob Ostsee, Nordsee oder Binnensee – sollte spätestens ab 20:00 Uhr einen sicheren Hafen oder das Ufer aufgesucht haben. Blitzschlag auf Gewässern ist lebensgefährlich und lässt sich nicht vorhersagen. Autofahrer sollten bei einsetzenden Gewitterschauern die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und Aquaplaning durch plötzlichen Starkregen einkalkulieren. Offene Felder, Einzelbäume und Badestege sind bei Gewitterannäherung sofort zu meiden.
