130 Cold-Case-Experten tagten in Lüneburg: Neue Methoden für ungelöste Mordfälle

Bildrechte: Polizeidirektion Lüneburg

Vom 10. bis 11. Juni 2026 fand in Lüneburg die 2. Bundesweite Fachtagung zu ungelösten Tötungsdelikten und Vermisstenfällen statt. Rund 130 Expertinnen und Experten aus Polizeibehörden des gesamten Bundesgebiets sowie Referenten aus dem In- und Ausland kamen zu dem zweitägigen Netzwerktreffen zusammen.

Polizeipräsidentin Kathrin Schuol eröffnete die Veranstaltung unter Federführung des Sachgebiets Cold Case der Polizeidirektion Lüneburg. Sie hob die besondere Bedeutung der Cold-Case-Arbeit für die polizeiliche Ermittlungsarbeit, für Opferangehörige und für das Vertrauen in den Rechtsstaat hervor: „Cold Cases sind keine abgeschlossenen Kapitel. Sie stehen für offene Fragen, für fehlende Gewissheit und für Menschen, die oft über viele Jahre auf Antworten warten.“

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen aktuelle Entwicklungen, besondere Herausforderungen und vielfältige Ermittlungsansätze in der Bearbeitung lange zurückliegender Tötungsdelikte und Vermisstenfälle. Die Bandbreite der Beiträge reichte von spezialisierten operativen Ansätzen – unter anderem dem Einsatz von Diensthunden und Mantrailing – über digitale Werkzeuge bis hin zu modernen forensischen und genetischen Verfahren.

Behandelt wurden auch forensisch-investigative genetische Genealogie und Rechercheansätze, mitochondriale DNA und Verwandtschaftsmarker, moderne archäologische Methoden, Möglichkeiten der Erinnerungserhebung sowie rekonstruktive Verfahren vom Schädel zum Gesicht. Die Fachtagung widmete sich außerdem Fragen neuer Kooperationsformen im Bereich Public Private Partnership sowie der Perspektive von Angehörigen, die oftmals über Jahre oder Jahrzehnte mit offenen Fragen leben müssen. Ein Beitrag des Weißen Rings nahm diese besondere Belastung in den Blick.

Mit Referenten aus den Niederlanden und Großbritannien erhielt die Tagung internationale fachliche Impulse. Dadurch wurde deutlich, dass die Bearbeitung von Cold Cases vom Austausch unterschiedlicher Erfahrungen, Methoden und Strukturen profitieren kann.

Hauptorganisator und Leiter des Lüneburger Sachgebiets Cold Case, Kriminalhauptkommissar Thilo Speich, sagte zum Abschluss: „Cold-Case-Arbeit lebt davon, dass wir Fälle nicht nur erneut anschauen, sondern sie mit den Möglichkeiten von heute neu denken. Digitale Werkzeuge, forensisch-genetische Verfahren, operative Spezialansätze und interdisziplinäre Zusammenarbeit können neue Ermittlungsansätze eröffnen.“

Die 2. Bundesweite Fachtagung Cold Case knüpfte an die Veranstaltung aus dem Jahr 2023 an und führte den bundesweiten Austausch zur Bearbeitung ungeklärter Tötungsdelikte und Vermisstenfälle fort.

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