Das Wetter in Deutschland: Gewitterpotenzial steigt – was Sie heute Abend und am Wochenende wissen müssen

Stand 17:00 Uhr: Für die nächsten 6 bis 12 Stunden besteht in Deutschland ein moderates Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt heute bei 7 von 10 – das ist klar im mittleren bis oberen Bereich und bedeutet: Die Atmosphäre ist unter Spannung. Einzelne Gewitter sind heute Abend nach 20:00 Uhr möglich, bevorzugt dort, wo tagsüber die Einstrahlung am stärksten war – also in der Mitte und im Süden Deutschlands. Böen von bis zu 44 km/h können Gewitter begleiten und sich dabei vorübergehend auf 60 km/h oder mehr verstärken. Hagel in kleinen Körnern ist nicht ausgeschlossen, bleibt aber eine untergeordnete Gefahr. Da die Niederschlagswahrscheinlichkeit mit 25 Prozent vergleichsweise gering ist, werden nicht alle Regionen betroffen sein – aber wer heute Abend draußen ist, sollte die Entwicklung im Blick behalten.

Warum besteht überhaupt ein Gewitterrisiko, obwohl der Himmel tagsüber weitgehend trocken blieb? Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der Taupunkt-Gradient – also der Abstand zwischen aktueller Temperatur und Taupunkt – liegt heute bei nur 6,4 Grad Celsius. Je kleiner dieser Wert, desto feuchter ist die Luft in Bodennähe und desto leichter können aufsteigende Luftmassen kondensieren und Gewitterwolken aufbauen. Hinzu kommt eine relative Luftfeuchte von 72 Prozent, die ebenfalls als feucht einzustufen ist und konvektive Prozesse begünstigt. Die Böen von 44 km/h deuten auf Windscherung hin – das bedeutet, dass Wind in verschiedenen Höhen unterschiedlich stark oder aus verschiedenen Richtungen weht. Windscherung ist der Motor, der aus einem einfachen Schauer ein organisiertes Gewitter machen kann, im Extremfall sogar rotierende Strukturen (sogenannte Mesozyklonen) begünstigt. Das Gesamtbild ist heute kein Extremszenario, aber klar genug für eine Moderate-Warnstufe.

In der Nacht auf Sonntag lässt die Gewitteraktivität voraussichtlich nach – sinkende Temperaturen dämpfen den Auftrieb. Doch der Sonntag selbst bringt keine Entwarnung: Der Instabilitäts-Index steigt sogar auf 8 von 10, der Taupunkt-Gradient bleibt mit 6,2 Grad eng, und der Wind hält mit Böen bis 43 km/h an. Die niedrigere Luftfeuchte von 50 Prozent am Boden wirkt zunächst beruhigend, kann aber täuschen – in der Höhe kann die Luft weiterhin ausreichend Feuchte enthalten, um Gewitterzellen zu speisen. Am Montag verschlechtert sich die Lage weiter: Der Taupunkt-Gradient fällt auf 4,8 Grad – ein klares Warnsignal für feuchte, instabile Luft – und die Niederschlagswahrscheinlichkeit steigt auf 42 Prozent bei 4,8 mm erwartetem Regen. Gewitter mit Starkregen sind für Montag die wahrscheinlichste Wettererscheinung. Erst zum Dienstag hin beruhigt sich die Lage deutlich: Der Instabilitäts-Index fällt auf 3, die Windgeschwindigkeiten gehen stark zurück, und das Gewitterrisiko sinkt auf ein niedriges Niveau.

Wer heute Abend und am Wochenende im Freien unterwegs ist, sollte folgende Warnsignale kennen: Ein plötzlicher Temperaturabfall innerhalb weniger Minuten, rasch zunehmende Böen und ein schnell dunkler werdender Horizont im Westen oder Südwesten sind zuverlässige Zeichen dafür, dass eine Gewitterzelle näher kommt. Suchen Sie in diesem Fall sofort ein stabiles Gebäude auf – kein Zelt, keine Baumreihe, kein offenes Gelände. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte bei starken Böen Geschwindigkeit reduzieren und Abstand halten; Aquaplaning-Risiko bei plötzlichem Starkregen ist real. Wassersportler und Badegäste an Seen und Flüssen wird dringend empfohlen, bei aufkommenden Gewitterzeichen das Wasser sofort zu verlassen – Wasser leitet Blitzstrom weiträumig weiter. Verfolgen Sie die aktuellen Warnungen des Deutschen Wetterdienstes unter wettergefahren.de oder über die WarnWetter-App, die bei neuen Unwetterwarnungen in Echtzeit informiert.