Ein 28-jähriger Afghane ist am Mittwochmorgen (15. Juli) in Ruhpolding festgenommen worden, nachdem er einen Zugbegleiter mit einem Messer bedroht und verfolgt hat. Der Mann wird der Bedrohung und versuchten gefährlichen Körperverletzung beschuldigt – mehrere Orte waren in Mitleidenschaft gezogen: eine Regionalbahn, der Bahnhof und das angrenzende Stadtgebiet.
Die Ereignisse begannen, als ein 26-jähriger Zugbegleiter in die im Bahnhof Ruhpolding stehende Regionalbahn einstieg, um Fahrausweise zu kontrollieren. Der 28-Jährige forderte ihn unmittelbar auf, die Bahn zu verlassen, und erklärte, ein Messer bei sich zu führen, das er gegen den Begleiter einsetzen werde. Der Zugbegleiter verließ daraufhin den Zug und begab sich auf den Bahnsteig, um den Triebfahrzeugführer zu informieren.
Kurz danach zog der Tatverdächtige auf dem Bahnsteig ein Messer mit einer Klingenlänge von etwa 15 Zentimetern hervor und lief auf den Zugbegleiter zu. Dieser flüchtete in das Stadtgebiet von Ruhpolding und brachte sich in einem Wohnhaus in Sicherheit. Der Tatverdächtige verfolgte ihn und warf das Messer nach ihm – ohne zu treffen. Anschließend hob er das Messer wieder auf und begab sich zurück zum Bahnhofsbereich. Nach Angaben der Ermittler warf er dabei einen Pkw mit einem Stein.
Am Bahnhof führte der Mann unkoordinierte Bewegungen mit dem Messer aus und versuchte, einen 49-jährigen Mann zu verletzen. Der Angriff verfehlte sein Ziel – zu einer Stich- oder Schnittverletzung kam es nicht. Sowohl in der Regionalbahn als auch im Bahnhofsbereich befanden sich mehrere Schülerinnen und Schüler. Diese verließen die Gefahrenzone teilweise fluchtartig; mehrere Kinder stürzten dabei und erlitten leichte Verletzungen wie Schürfwunden.
Der Mann lief anschließend mit dem Messer zu einem Kiosk. Der Kioskbetreiber brachte in der Nähe befindliche Kinder in seinen Verkaufsraum in Sicherheit und hielt den Tatverdächtigen mit einem Holzschläger auf Distanz.
Als die Sirenen eingesetzter Polizeistreifen zu hören waren, floh der Mann in das Stadtgebiet von Ruhpolding. Eine Streife der Polizeiinspektion Traunstein nahm ihn in der Nähe des Kurparks fest. Der Verdächtige leistete keinen Widerstand. Bei ihm wurde das Messer sichergestellt, bei dem es sich nach derzeitigem Ermittlungsstand um die Tatwaffe handelt.
Nach der Festnahme wurde in der Turnhalle der Grund- und Mittelschule Ruhpolding eine Betreuungsstelle eingerichtet. Dort wurden Zeuginnen, Zeugen und Betroffene durch die polizeiliche Betreuungsgruppe der Bayerischen Landespolizei, den Rettungsdienst, das Schulamt und das Landratsamt Traunstein betreut. An der Fahndung und Einsatzbetreuung waren die Bundespolizeiinspektion Freilassing, die Polizeiinspektion Traunstein, die Polizeistation Ruhpolding, die Verkehrspolizeiinspektion Traunstein, die Grenzpolizeiinspektion Piding und die Zentralen Einsatzdienste Traunreut beteiligt.
Der 28-Jährige wurde zur Polizeiinspektion Traunstein gebracht. Dort wurde festgestellt, dass er nicht alkoholisiert war. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Traunstein wurde er durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie begutachtet. Am frühen Abend erfolgte auf richterliche Anordnung des Amtsgerichts Traunstein die Durchsuchung seiner Wohnung.
Am Folgetag (16. Juli) ordnete das Amtsgericht Traunstein auf Antrag der Staatsanwaltschaft die einstweilige Unterbringung des Mannes an. Der Beschuldigte verbleibt bis auf Weiteres in einer geschlossenen Abteilung eines Klinikums. Nach gegenwärtigem Stand der Ermittlungen bestehen keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund. Es liegen jedoch Hinweise vor, dass der Beschuldigte psychisch schwer erkrankt ist und daher bei Begehung der Tat zumindest vermindert schuldfähig gewesen sein könnte.
Der 28-Jährige war erstmals am 30. Januar 2023 in das Bundesgebiet eingereist. Er stellte mehrere Asylanträge, die unanfechtbar abgelehnt wurden. Aufgrund eines bestehenden Abschiebeverbotes hält sich der Mann rechtmäßig im Bundesgebiet auf. Seine Aufenthaltserlaubnis ist bis Februar 2027 befristet. Polizeilich ist er bereits in Erscheinung getreten wegen unerlaubter Einreise, Bedrohungs- und Körperverletzungsdelikten sowie Erschleichens von Leistungen.
Die Bundespolizeiinspektion Freilassing bittet bislang unbekannte Geschädigte sowie weitere Zeugen, sich per E-Mail an bpoli.freilassing@polizei.bund.de oder telefonisch unter 08654-7706-0 zu melden.
Hinweis: Für den Beschuldigten gilt bis zum Vorliegen einer rechtskräftigen Entscheidung die Unschuldsvermutung.