Ein 43-jähriger Ukrainer sitzt nach zwei Betrugsfällen in Weiden und Amberg in Untersuchungshaft. Er soll als Geldabholer bei der neuen Betrugsmasche „Russische Callcenter“ agiert haben, bei der Betrüger ihre Opfer auf Russisch kontaktieren.
Am Mittwoch, 27. Mai, wurde eine 74-jährige Deutsch-Russin aus Weiden Opfer der Masche. Die Betrüger riefen sie auf Russisch an und setzten sie mit einem Schockanruf unter Druck. Für eine angebliche Kaution sollte sie Geld übergeben. An ihrer Haustür händigte die Seniorin eine hohe fünfstellige Summe an einen Mann aus. Erst etwa eine Stunde später erkannte sie den Betrug und alarmierte die Polizei.
Einen Tag später, am Donnerstagabend, fiel eine 76-jährige Deutsche mit russischen Wurzeln in Amberg auf dieselbe Masche herein. Sie übergab einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag an den Geldabholer. Auch sie bemerkte den Betrug erst später und rief die Polizei.
Obwohl in beiden Fällen sofort eine umfangreiche Fahndung eingeleitet wurde, konnte der Geldabholer zunächst nicht gefasst werden. Der Durchbruch kam am Freitag, 29. Mai: Die 74-jährige Seniorin erkannte den mutmaßlichen Täter in einer Arztpraxis in Weiden und informierte die Polizei. Der 43-Jährige wurde vorläufig festgenommen.
Die Kriminalpolizei Weiden und Amberg arbeiteten eng zusammen und befragten auch die 76-jährige Geschädigte aus Amberg zu dem Verdächtigen. Anhand eines vorgelegten Bildes konnte auch sie den 43-Jährigen als den mutmaßlichen Geldabholer identifizieren.
Am 30. Mai wurde der Ukrainer auf Antrag der Staatsanwaltschaft Weiden einem Haftrichter am Amtsgericht Weiden vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehl. Der Mann wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht. Er steht in Verdacht, für beide Betrügereien verantwortlich zu sein.
Die Polizei beobachtet seit einigen Wochen eine Häufung der Betrugsmasche „Russische Callcenter“ im Bereich der Oberpfalz. Dabei nutzen die Täter die bekannte Schockanruf-Methode, führen die Gespräche jedoch auf Russisch, um gezielt deutschstämmige Russland-Rückkehrer anzusprechen.