AfD-Politiker Reichardt wegen Hitlergruß-Foto unter Druck

via dts Nachrichtenagentur

Der AfD-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt und Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, auf einem Foto aus dem Jahr 2020 den Hitlergruß gezeigt zu haben. Das Magazin „Politico“ hat die Aufnahme veröffentlicht und zwei Augenzeugen zitiert, die der Geste diese Deutung geben. Die AfD bestreitet dies hingegen entschieden.

Das fragliche Foto zeigt Reichardt zusammen mit Parteikollegen. Daneben ist ein Arzt und ehemaliger AfD-Landtagskandidat zu sehen, der vor Reichardt kniet und ein Dokument hält. Der Mann bestätigte gegenüber „Politico“, dass es sich um seinen Mitgliedsantrag für die AfD handelte, datiert auf den 7. Juni 2020. Der Bundesvorstand unter dem damaligen Vorsitzenden Jörg Meuthen lehnte seine Aufnahme jedoch ab – zunächst im September 2020 und erneut im Januar 2021.

Nach Aussage zweier Zeugen soll der Mann Reichardt bei der Antragsübergabe mit den Worten „Mein Führer“ angesprochen haben. Dies bestreitet der Mann allerdings vehement als „absoluten Schwachsinn“. Reichardt selbst bestätigte die Echtheit des Fotos, erklärte aber, die fragliche Geste sei ein „humoresker Ritterschlag“ gewesen. Ein Sprecher der AfD Sachsen-Anhalt bekräftigte diese Darstellung und sagte, die Geste sei kein Hitlergruß, sondern ein angedeuteter Ritterschlag gewesen.

„Politico“ wirft der AfD jedoch einen zeitlichen Widerspruch vor: Das Foto sei vom 7. Juni 2020, zum Zeitpunkt der Aufnahme habe es noch keine abgelehnten Anträge gegeben, auf die sich ein Ritterschlag beziehen könnte. Die Ablehnungen erfolgten erst später. Eine Antwort von Reichardt auf diese Kritik blieb aus.

Der Mann mit dem Mitgliedsantrag charakterisierte die Szene als „total lustig gemeint“ und betonte, es sei ein „reiner Joke“ gewesen. Er erklärte ferner: „Ich mache Jokes, ohne dass mich in irgendeiner Weise interessiert, was die Political Correctness dazu sagt oder der Mainstream. Es interessiert mich nicht.“ Der Nationalsozialismus interessiere ihn ebenfalls nicht. „Mich interessiert Deutschland 2026, das interessiert mich“, sagte er.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU äußerte sich am Mittwochnachmittag deutlich kritischer. Für ihn ist auf dem Foto eindeutig ein Hitlergruß zu sehen – „ein Bekenntnis, kein Ausrutscher“. Schulze erklärte: „Wer so etwas zeigt, hat in einem Parlament nichts verloren. Und wer das relativiert, schweigt oder aussitzt, macht sich klar mitschuldig. Wer daneben steht und grinst, zeigt seine eigene Gesinnung auf erschreckende Art und Weise.“

Mit dieser Aussage spielte Schulze auf Hans-Thomas Tillschneider an, der ebenfalls auf dem Foto zu sehen sein soll. Dieser fungiere als inhaltliche „rechte Hand“ von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und sei Geistesvater des AfD-Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt. Schulze zufolge mache sich Tillschneider „genauso schuldig, wie Martin Reichardt selbst“.

Der Ministerpräsident fordert von seinem Herausforderer Siegmund Führungsstärke ein: „Ausschluss, Rücktritt, klare Kante.“ Tillschneider und Reichardt müssten als untragbar ausgeschlossen werden. Alles andere sei nicht nur Billigung, sondern „Zustimmung und Nazi-Bekenntnis“. Die CDU liegt in Umfragen deutlich hinter der AfD, vor der für September terminierten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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