Arbeitszeit in Deutschland sinkt erstmals – Ältere arbeiten mehr

via dts Nachrichtenagentur

Die Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland ist erstmals nach jahrzehntelangem Anstieg gesunken. Während 2023 noch ein Rekordwert von 28,8 Wochenstunden erreicht wurde, lag dieser 2025 um 0,4 Stunden darunter. Das entspricht rechnerisch etwa 460.000 Vollzeitstellen, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis des Mikrozensus berechnete.

Der Rückgang ist bei Männern deutlich stärker ausgeprägt als bei Frauen. Männer arbeiteten 2019 mit 33,5 Stunden pro Woche im Durchschnitt so viel wie seit 1991 nicht mehr – 2025 sank dieser Wert auf 32,6 Stunden. Bei Frauen blieb die geleistete Arbeitszeit mit gut 24 Stunden pro Woche dagegen weitgehend stabil. Besonders stark fiel die Arbeitszeit bei jüngeren und mittleren Altersgruppen, während Ältere gegen diesen Trend anarbeiteten.

„Wirtschaftliche Schwächephasen gehen typischerweise mit einem Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf einher. Das ist auch derzeit zu beobachten“, sagte Harun Sulak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB. Allerdings fallen die Auswirkungen bislang weniger drastisch aus als in früheren Konjunkturabschwüngen – etwa nach der Wiedervereinigung oder Anfang bis Mitte der 2000er-Jahre.

Ein Grund dafür liegt in der stabilen Arbeitszeit bei Frauen. Große Fachkräftelücken bestehen weiterhin besonders in Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitswesen und Pflege. „In diesen zum Teil wachsenden Branchen sind Frauen besonders stark vertreten, sodass die wirtschaftliche Schwäche bei ihnen weniger durchschlägt als bei Männern“, erklärte Sulak.

Die Altersgruppen entwickeln sich unterschiedlich: Bei den 25- bis 54-Jährigen sank die Arbeitszeit pro Kopf zuletzt, bei den Über-60-Jährigen nahm sie dagegen zu. Dieser Gegensatz erklärt sich durch die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters, die zu höherer Erwerbsbeteiligung älterer Menschen führte. Zwischen 2005 und Anfang der 2020er-Jahre hatte es einen lang anhaltenden Aufwärtstrend bei der Arbeitszeit pro Kopf gegeben.

Auch das Bildungsniveau spaltet die Entwicklung: Bei Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss fiel der Rückgang am stärksten aus. Bei höher Qualifizierten blieb er deutlich geringer. Die Ursachen unterscheiden sich dabei. Bei niedrig Qualifizierten lag es primär daran, dass weniger Menschen erwerbstätig waren. Bei höher Qualifizierten wurde der Rückgang vor allem durch reduzierte Wochenarbeitszeiten getragen. Hier spielte eine Rolle, dass Männer zunehmend Elternzeit- und Teilzeitmodelle nutzen.

„In den nächsten Jahrzehnten wird die Zahl der Erwerbspersonen durch die Alterung weiter zurückgehen“, sagte Sebastian Klüsener, Forschungsdirektor am BiB. „Die Arbeitszeit pro Kopf macht sichtbar, in welchem Umfang wir die vorhandenen Erwerbspotenziale tatsächlich ausschöpfen. Sie wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen.“

Autor: dts Nachrichtenagentur

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