In den Landkreisen Pinneberg und Segeberg warnt die Polizei vor einer Welle von Schockanrufen, bei denen Betrüger sich als Ärzte, Staatsanwälte oder Polizeibeamte ausgeben. Die Anrufer kontaktieren vornehmlich ältere Menschen und spielen ihnen vor, dass einem Angehörigen etwas Schwerwiegendes zugestoßen sei oder dieser eine teure medizinische Behandlung benötige. Ziel ist es, die Opfer unter Druck zu setzen und zu Geldübergaben zu bewegen.
Kurz nach Mitternacht am 22. September rief ein vermeintlicher Staatsanwalt eine Frau in Wedel an. Er behauptete, ihr Sohn sei in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt und sie müsse eine Kaution zahlen. Die Frau erkannte die Masche jedoch und beendete das Gespräch sofort.
Am Nachmittag des 23. September meldeten sich gegen 16 Uhr ein angeblicher Arzt und ein falscher Polizeibeamter bei einem 90-jährigen Mann in Elmshorn. Sie sprachen zunächst mit dem Senior, dann mit seiner Frau, und behaupteten, ein naher Angehöriger sei schwer erkrankt und benötige ein teures Medikament. Die Frau wurde misstrauisch, als der Beamte das Gespräch vom angeblichen Arzt übernahm, aber die Stimme sich nicht veränderte. Sie brach das Telefonat ab.
Etwas mehr als eine Stunde zuvor hatte eine 92-jährige Frau in Henstedt-Ulzburg einen ähnlichen Anruf erhalten. Eine vermeintliche Ärztin forderte eine hohe Bargeldsumme mit derselben Begründung. Als die Frau Verdacht äußerte, legte die Anruferin auf.
Am Vormittag desselben Tages versuchte ein Betrüger, eine 86-jährige Frau in Bornhöved zu täuschen. Er gab vor, der Sohn der Seniorin benötige ein lebensrettendes Krebsmedikament. Der Betrug flog auf, als die Frau ihrem Mann davon erzählte, bevor sie ins Krankenhaus fahren wollte.
In diesen vier Fällen kam es zu keinem finanziellen Schaden. Anders jedoch in Pinneberg: Dort übergab eine 82-jährige Frau am Nachmittag des 22. September nach zwei Anrufen – eine Anruferin gab sich als Ärztin aus, der andere als Polizeibeamter – Wertgegenstände und Bargeld im insgesamt hohen fünfstelligen Bereich an einen unbekannten Mann. Die Betrüger hatten ihr vorgespiegelt, ihre Nichte habe einen Unfall mit zwei schwer Verletzten verursacht und nur eine Kaution könne eine Haft verhindern. Der Mann, der die Gegenstände abholte, war in einem grauen Kleinwagen unterwegs.
Die Polizei gibt folgende Ratschläge zum Schutz vor dieser Betrugsmethode: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen oder zu schnellen Entscheidungen verleiten. Kontaktieren Sie Ihre Angehörigen und hinterfragen Sie fragwürdige Forderungen. Geben Sie am Telefon keine Auskünfte über persönliche Verhältnisse, persönliche Daten oder Ihre finanzielle Situation. Übergeben Sie niemals Bargeld oder Wertgegenstände an Ihnen fremde Personen, weder an der Haustür noch an einem vereinbarten Ort. Seien Sie grundsätzlich skeptisch gegenüber Fremden. Bewahren Sie keine großen Bargeldbeträge zu Hause auf.
Wichtig zu wissen: Die Polizei verlangt am Telefon niemals Überweisungen oder die Übergabe von Bargeld. Falls Sie einen verdächtigen Anruf erhalten, lassen Sie sich den vollständigen Namen, den Dienstort und eine Rückrufnummer geben, legen dann auf und rufen selbst die Polizei unter 110 oder die nächste Dienststelle an. In Deutschland ist die Zahlung einer Kaution nicht üblich – dies ist ein starkes Indiz für Betrug.
Wie viele dieser Fälle aufgeklärt werden
Von 2.780 Betrugsfällen im Landkreis Pinneberg konnte die Polizei 2025 1.394 aufklären, das sind 50,1 Prozent. Damit steht unser Kreis schlechter als das Land, wo 56,9 Prozent der Fälle aufgeklärt wurden. Bundesweit waren es 62,6 Prozent.
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts, 2025.
Dieser Bericht wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz ausschließlich aus offiziellen Angaben der Polizei oder Justizbehörden erstellt und redaktionell geprüft.
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