Brandsatz vom Balkon: 61-Jähriger wirft Sprengstoff auf Verwandte und zündet Dachstuhl an

(Symbolbild)

Ein dramatischer Einsatz hat sich am Mittwoch, 1. Juli 2026, gegen 11.45 Uhr in der Hauptstraße von Kleiningersheim abgespielt. Ein 61-Jähriger soll einen Brandsatz vom Balkon eines Wohnhauses geworfen haben. Eine 42-Jährige Frau und ihr Begleiter, die sich direkt unterhalb des Balkons aufhielten, wurden dabei leicht verletzt.

Was zunächst wie ein gezielter Anschlag wirkte, eskalierte wenig später dramatisch: Polizisten stellten vor Ort fest, dass Knallkörper aus dem Gebäude flogen. Danach stand der Dachstuhl des Hauses in Flammen. Eine Verpuffung folgte, bei der sich Dachziegel lösten und auf die Straße fielen. Die Feuerwehr rückte massiv aus. Um die Flammen unter Kontrolle zu bringen, musste das komplette Dach des Hauses geöffnet werden. Gegen 12.45 Uhr waren die Brände schließlich gelöscht.

Weil völlig unklar war, ob sich der Täter noch im Gebäude aufhielt und ob explosive Stoffe vorhanden sein könnten, wurde ein Spezialeinsatzkommando (SEK) alarmiert. Auch Entschärfer des Landeskriminalamts Baden-Württemberg rückten an. Polizisten richteten einen Gefahrenbereich um den Brandort ein. Anwohner, die ihre Wohnungen räumen mussten, wurden in einem nahegelegenen Vereinsheim untergebracht und betreut.

Gegen 16.20 Uhr gelang es dem SEK, den 61-Jährigen festzunehmen. Der Mann hatte sich offenbar während des gesamten Einsatzes im Haus aufgehalten und verließ das Gebäude auf Aufforderung der SEK-Beamten. Bei dem Festgenommenen handelt es sich nach Angaben der Ermittler um den Tatverdächtigen, der selbst Brandverletzungen erlitt und zur medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Mordes sowie der schweren Brandstiftung. Laut Ermittlungen soll der 61-Jährige die 42-Jährige, bei der es sich um eine Verwandte des Tatverdächtigen handelt, und deren Begleiter mit dem Brandsatz angegriffen haben. Danach soll er mutmaßlich den Dachstuhl des Gebäudes selbst in Brand gesetzt haben. Hintergrund der Tat dürften familiäre Streitigkeiten über die Verteilung der Besitzverhältnisse des Wohnhauses sein.

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat beim Amtsgericht Heilbronn den Erlass eines Haftbefehls gegen den 61-Jährigen beantragt. Eine Haftrichterin wird im Laufe des Tages im Krankenhaus die Vorführung und Vernehmung des Tatverdächtigen durchführen und über die Haftfrage entscheiden.

Das betroffene Wohnhaus ist nicht mehr betreten und wird vermutlich unbewohnbar bleiben. Fachkräfte überprüfen im Laufe des Donnerstags, 2. Juli, die Statik des Gebäudes. Einige angrenzende Häuser wurden durch die Hitze- und Rauchentwicklung in Mitleidenschaft gezogen. Der genaue Sachschaden kann derzeit noch nicht beziffert werden, dürfte sich aber mindestens auf einen hohen sechsstelligen Betrag belaufen.

Am Einsatz waren insgesamt mehr als 150 Polizeibeamtinnen und -beamte beteiligt. Das Polizeipräsidium Ludwigsburg ist unter der Telefonnummer 07141 18-8777 erreichbar.

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