Bundeswehr wirbt gezielt um ehemalige Wehrdienstleistende für Reservedienst

via dts Nachrichtenagentur

Die Bundeswehr setzt auf eine gezielte Ansprache von Veteranen: Seit Juli schreibt das Verteidigungsministerium systematisch Männer an, die bis 2011 einen verpflichtenden oder danach einen freiwilligen Wehrdienst absolviert haben. Ziel ist es, diese früheren Wehrdienstleistenden für Reserveübungen zu gewinnen.

Bastian Ernst, Präsident des Reservistenverbands, beschreibt die Strategie gegenüber dem Handelsblatt so: „Wir erhoffen uns, dass Leute diesen Brief lesen und sagen: Ich war mal vor 20 Jahren in der Bundeswehr, und das war eigentlich eine nette Zeit.“ Der niedersächsische CDU-Bundestagsabgeordnete, der seit April an der Spitze des Reservistenverbands steht, erklärt den Hintergrund dieser Anwerbungskampagne: Das geplante Reservestärkungsgesetz, das noch vom Parlament beschlossen werden muss, soll mehr verpflichtende Reservedienstleistungen ermöglichen. Allerdings können verpflichtend nur Berufs- und Zeitsoldaten sowie Wehrdienstleistende nach dem im Januar in Kraft getretenen neuen Wehrdienst herangezogen werden. Frühere Wehrdienstleistende sind von dieser Verpflichtung ausgenommen.

Dies war ein Kompromiss mit dem Koalitionspartner SPD, wie Ernst erläutert. Stattdessen setzt die Bundeswehr darauf, die früheren Soldaten durch persönliche Anschreiben für eine freiwillige Reservedienstleistung zu motivieren.

Allerdings äußert Ernst Skepsis bezüglich der ehrgeizigen Personalziele der Bundeswehr: Die Streitkraft soll bis 2035 auf 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten anwachsen. „Ich glaube, dass die Zielmarken in diesem Jahr noch erreicht werden – auch weil die Latte nicht besonders hoch liegt“, sagte der Reservistenverbandschef. „Aber ich glaube, im nächsten, jedoch spätestens im übernächsten Jahr werden wir es nicht schaffen.“ Das Wehrdienstgesetz legt für jeden Jahrgang bis 2035 konkrete Zielkorridore für den Personalumfang fest. Sollten diese verfehlt werden, kann die sogenannte Bedarfswehrpflicht eingeführt werden.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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