Deutschland und Frankreich haben die geplanten Gespräche über eine engere Kooperation bei der nuklearen Abschreckung aufgenommen. Der Sicherheitsberater von Bundeskanzler Friedrich Merz, Günter Sautter, reiste am Mittwoch für eine erste Gesprächsrunde nach Paris. Auch andere europäische Staaten nahmen an den Beratungen in der französischen Hauptstadt teil.
Das nächste deutsch-französische Treffen ist noch vor der Sommerpause in Deutschland geplant, berichtet der „Spiegel“. Die Gespräche gehen auf eine Initiative von Bundeskanzler Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zurück, die bereits im März eine „nukleare Lenkungsgruppe“ eingerichtet hatten. Diese Gruppe soll die Details der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern ausloten.
Macron hatte das Konzept der „vorwärtsgerichteten Abschreckung“ Anfang März bei einer Rede zur nuklearen Abschreckung auf dem Militärstützpunkt Ile-Longue in der Bretagne vorgestellt. In diesem Rahmen könnten „Elemente der strategischen Streitkräfte“ in Europa zum Einsatz kommen, kündigte der französische Präsident an.
Die deutsch-französische Lenkungsgruppe plant zur Vorbereitung auf den Ernstfall gemeinsame Manöver. Die Bundeswehr darf am konventionellen Teil französischer Nuklearübungen teilnehmen und erhält Einblick in Frankreichs Atomstandorte. Eine erste deutsche Beteiligung an einer der sogenannten „Poker“-Übungen ist noch für dieses Jahr geplant, vermutlich im September.
Zunächst steht eine Beobachterrolle im Raum. Im weiteren Verlauf könnte die Bundeswehr Unterstützung leisten, allerdings nur solche, die nicht direkt mit den Atomwaffen in Verbindung steht. Dazu gehören etwa Begleitschutz durch Kampfflugzeuge oder Luftbetankung.