Sicherheitsbehörden hatten den mutmaßlichen Attentäter des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day offenbar bis unmittelbar vor der Tat unter Beobachtung. Wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung am Montagabend berichteten, installierten Ermittler des Berliner Landeskriminalamts eine verdeckte Kamera am Hauseingang des als Gefährder eingestuften Abdul B. Die Kamera zeichnete auf, wie der 22-Jährige am Samstagabend um 20:58 Uhr seine Wohnung verließ – kurz bevor er wenig später mit einem Transporter in eine Menschenmenge im Berliner Tiergarten fuhr. Eine Frau starb bei dem Anschlag, mehr als 20 Menschen wurden verletzt.
Abdul B. war bereits Wochen vor der Tat vom Risikobewertungssystem RADAR-iTE des Bundeskriminalamts als hochrisikant eingestuft worden. Seit Januar 2026 galt der Berliner Islamist offiziell als Gefährder. Die Behörden überwachten sein Mobiltelefon und seine Internetkommunikation, zeitweise beobachteten auch Observationsteams den Mann. Nachdem diese jedoch keine Hinweise auf ein unmittelbar bevorstehendes Attentat festgestellt hatten, wurde die persönliche Überwachung wegen fehlender Auffälligkeiten und aus Ressourcenmangel zurückgefahren. Die technischen Maßnahmen, insbesondere die Kamera vor seiner Wohnung, blieben jedoch aktiv.
Im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) wurde Abdul B. mehrfach besprochen. Die Sicherheitsbehörden sahen aufgrund seiner Radikalisierung, seiner versuchten Ausreise zum Islamischen Staat und seiner kriminellen Vorgeschichte eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass er erneut ausreisen oder einen Anschlag begehen könnte. Trotz dieser Einschätzung entließ ein Gericht den 22-Jährigen im Mai 2026 aus der Untersuchungshaft. Die Begründung: die bereits verbüßte Haftzeit und die Möglichkeit einer sogenannten Vorbewährung unter strengen Auflagen. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Berufung ein.
Anfang Juli löste Abdul B. noch einen Polizeieinsatz aus, nachdem Überwachungsmaßnahmen ergeben hatten, dass er einen pistolenähnlichen Gegenstand am Hosenbund trug. Eine anschließende Wohnungsdurchsuchung offenbarte jedoch: es handelte sich um eine Spielzeugwaffe.
Die Recherchen zeigen einen islamistischen Extremisten, der den Behörden bekannt war und intensiv überwacht wurde. Konkrete Hinweise auf die Vorbereitung des Anschlags erhielten die Ermittler jedoch bis zuletzt nicht.
Autor: dts Nachrichtenagentur