EZB erhöht Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent – Erste Anhebung seit September 2023

via dts Nachrichtenagentur

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöht – die erste Zinsanhebung seit September 2023. Nach der Ratssitzung in Frankfurt gab die Notenbank bekannt, dass der Zinssatz für die Einlagefazilität nun bei 2,25 Prozent liegt. Die Zinssätze für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte steigen auf 2,40 Prozent und für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,65 Prozent.

Als Begründung führte die EZB an, dass der Rat „fest entschlossen“ sei, „seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert“. Besonders der Krieg im Nahen Osten erzeuge Druck auf die Inflation. Die Zinsanhebung sei „robust gegenüber einer Bandbreite von Szenarien, die aufzeigen, wie sich der Schock entwickeln und auf die mittelfristigen Aussichten für den Euroraum auswirken könnte“.

Die Notenbank warnte vor anhaltender Unsicherheit in den Aussichten. Es bestünden Aufwärtsrisiken für die Inflation sowie Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum. „Die Gesamtfolgen des Krieges für Inflation und Wachstum in der mittleren Frist werden von der Intensität und der Dauer des Energiepreisschocks sowie vom Ausmaß seiner indirekten Auswirkungen und Zweitrundeneffekte abhängen“, erklärten die Notenbanker. Diese Unsicherheit zeige sich auch in der großen Bandbreite an Inflations- und Wachstumsergebnissen in den aktualisierten illustrativen Szenarien der Eurosystem-Fachleute.

In ihren neuen Projektionen gehen die Experten des Eurosystems im Basisszenario davon aus, dass die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 3,0 Prozent, 2027 bei 2,3 Prozent und 2028 bei 2,0 Prozent liegen wird. Für die Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel erwarten sie durchschnittlich 2,5 Prozent für 2026 und 2027 sowie 2,2 Prozent für 2028.

Die Fachleute haben ihre Basisprojektion für die Inflation in den Jahren 2026 und 2027 gegenüber März nach oben korrigiert. Grund hierfür ist ein höherer Pfad für Energiepreise, der sich den Erwartungen nach in gewissem Maße auf die Teuerung bei Nahrungsmitteln, Waren und Dienstleistungen niederschlagen werde.

Beim Wirtschaftswachstum rechnen die Experten im Basisszenario mit durchschnittlich 0,8 Prozent für 2026, 1,2 Prozent für 2027 und 1,5 Prozent für 2028. Dies entspricht für 2026 und 2027 einer Abwärtsrevision, in der sich die stärkeren Auswirkungen des Krieges auf die Rohstoffmärkte, die Realeinkommen und das Vertrauen widerspiegeln.

Die EZB betonte, mit dem aktuellen Beschluss weiterhin gut positioniert zu sein, um die durch den Krieg verursachte Unsicherheit zu bewältigen. Der EZB-Rat werde die Lage genau beobachten und bei der Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses einen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Die Zinsbeschlüsse sollen auf der Beurteilung der Inflationsaussichten und der damit verbundenen Risiken basieren, vor dem Hintergrund aktueller Wirtschafts- und Finanzdaten sowie der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission. Man lege sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.

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